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Zweites Aulakonzert mit Trio Sharam in Göttingen

Wallfisch überrascht mit expressiver Musik Zweites Aulakonzert mit Trio Sharam in Göttingen

Eigenwillig ist schon die Namensgebung: Das Trio Sharam – Erez – Wallfisch verzichtet auf ein einprägsames Etikett, sondern setzt selbstbewusst nur die eigenen Nachnamen hintereinander. Hagai Shaham ist der Violinist, Arnon Erez der Pianist und Raphael Wallfisch der Cellist des Ensembles, das sich vor vergleichsweise kurzer Zeit, nämlich erst 2009, zum Trio formiert hat.

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Spielen mit atemberaubendem Tempo, aber ohne Anmut: Die Musiker Hagai Sharam, Arnon Erez und Raphael Wallfisch (v.l.).

Quelle: Heller

Göttingen. Am Sonntag war es im zweiten Aulakonzert der Saison mit Musik von Mendelssohn, Bloch und Ravel in der gut gefüllten Universitätsaula zu hören.

Keine Frage: Es sind drei technisch meisterhafte Musiker, die sich zusammengefunden haben. Einig sind sie sich im interpretatorischen Ansatz: Musik muss expressiv sein, und das so intensiv wie möglich. Das führt zu beinahe schmerzhaften Steigerungen, zu ungewohnten Lautstärken, ja beinahe zu orchestralen Klängen.

Erez ist ein Pianist, der ordentlich zulangt, worauf Wallfisch mit einem sonor-strahlenden Celloton und Shaham mit betont kraftvollem Bogenstrich reagiert. Das Trio klingt, als wetteiferten drei Tenöre im Heldenfach vorn an der Rampe.

Das macht staunen. Und ein solcher Stil ist nur auf dem Hintergrund eines bravourösen technischen Rüstzeugs möglich, wie es etwa Pianist Erez im Scherzo des eröffnenden c-Moll-Trios von Mendelssohn mit atemberaubend raschem Tempo vorführte. Die Elfen, mit denen Konzertführer gern Mendelssohns Scherzi bevölkern, müssen diesmal wohl mit Turbolader beschleunigt worden sein.

Kein Raum für Geheimnisse

Was bei diesem Konzept allerdings auf der Strecke bleibt, sind Qualitäten wie Schlichtheit, Anmut, Grazie. Die haben in der leidenschaftlichen Welt des Trios Shaham – Erez – Wallfisch keinen Platz. Da bleibt auch kein Raum für Geheimnisse, für Intimitäten, für Schwerelosigkeit. Das Ensemble macht Musiktheater für große Säle, dort, wo Pianissimo verboten ist.

Dennoch war vieles am perfekten Spiel der drei Musiker fraglos bewundernswert, etwa die Brillanz und Virtuosität, mit der sie das Ravel-Trio mit seinen vertrackten Rhythmen und Harmonien meisterten, oder die eindringliche Leidenschaft, mit der Shaham und Wallfisch die orientalisch gefärbten Melodielinien in den Stücken von Ernest Bloch (Violinsonate Nr. 2 und „From Jewish Life“ für Violoncello und Klavier) gestalteten.

Auch die Meinung des Publikum in Pausengesprächen war gespalten: Große Begeisterung auf der einen, heftige Ablehnung auf der anderen Seite. Am Ende gab es frenetischen Beifall, verstärkt mit Füßetrampeln, und einige ratlose Mienen. Die Zugabe: das Scherzo aus Mendelssohns B-Dur-Trio – im ICE-Tempo.

Im nächsten Aulakonzert spielt das Pavel Haas Quartett, Prag, am Sonntag, 16. November, um 19.45 Uhr in der Aula, Wilhelmsplatz 1, Musik von Dvořák, Haas und Schostakowitsch.

Von Michael Schäfer

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