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Erst federleicht, dann lautstark

Chansonfestival im Lumière Erst federleicht, dann lautstark

Derzeit hat das französische Chanson in Göttingen Hochkonjunktur. Während die Ausstellung über die Sängerin Barbara im Städtischen Museum ihrem Ende entgegengeht, feiert der Göttinger Verein Chansonland sein zweites niedersächsisches Chansonfestival. Zwei Gruppen waren am Freitag zu Gast im Lumière.

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Pauline Dupuy.

Quelle: Long

Göttingen. Stolz berichtete eingangs Chansonland-Chefin Maja Hilke, dass das Festival im zweiten Jahr auf zwei Wochenenden und zwei Städte ausgeweitet worden sei. Am kommenden Wochenende sind zwei Konzerte in Hannover und eins in Göttingen angesetzt.

Termin

Das Chansonfestival geht in Göttingen am Freitag, 18. November, im Jungen Theater mit einem Konzert zu Ende. Der Abend unter dem Motto „Accordéon de la vie – Soirée Brel/Barbara“ beginnt um 20 Uhr.

Contrebrassens und Michael Wookey eröffneten den Abend. Contrebrassens ist der Name, den sich die klassisch ausgebildete Kontrabassistin und Brassens-Verehrerin Pauline Dupuy gegeben hat. Sie singt Brassens-Chansons und begleitet sich dabei selbst am Bass. Wookey unterstützt sie akkordisch an Gitarre, Klavier und Toy Piano, hier und da auch mit zweiter Stimme singend. Musikalisch lässt er seiner Kollegin prinzipiell den Vortritt, was der Sache sehr förderlich ist.Denn Dupuy singt einfach bezaubernd. Sie besitzt neben ihrem hellen, unglaublich entspannt eingesetzten Sopran eine enorme Bühnenpräsenz. Schon nach den ersten gesprochenen und gesungenen Tönen hat sie das Publikum im knallvoll besetzten Lumière für sich eingenommen. Sie geht gern  spielerisch mit den Texten um, kann aber auch sehr bestimmte Töne anschlagen, wenn es um ernstere Inhalte geht als um die Paradiese unterm Regenschirm.Ihren Kontrabass setzt sie mal sanft tupfend, mal perkussiv, mal in lang ausgehaltenen Tönen ein, spannungssteigernd, kammermusikalisch zurückhaltend. Das Instrument ist unter ihren zärtlichen Händen der ideale Partner für ihren federleicht strömenden Gesang. Für den begeisterten Applaus bedankte sie sich mit einem melancholischen Chanson von Luis Aragon.„Pas Vu Pas Pris“ (nicht gesehen, nicht genommen) heißt das Trio, das die zweite, lautstarke Hälfte des Abends bestritt: Akkordeonistin Yvette Ornière, Gitarrist Papi und Schlagzeuger Manu Cachet. Laut Ankündigung erstreckt sich ihr musikalischer Horizont zwischen traditionellen Musette-Melodien, osteuropäischer Musik, Folk und Ska. Doch was das Trio am Freitag vorführte, war nur auf den ersten Blick mitreißend. Hörte man genauer zu, stellte man bald fest, dass die musikalische Substanz hauchdünn ist: Pro Stück drei, vier Harmonien, einmal tatsächlich nur zwei. Deren beschleunigte und kaum variierte Wiederholung täuscht eine Steigerung vor, die inhaltlich aber nicht stattfindet. „Pas Vu Pas Pris“ wollen wohl mehr scheinen als sein. Das wenigstens ist ihnen gut gelungen.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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