Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Zwischen „Hamlet“ und „Känguru-Chroniken“

Intendant Nico Dietrich und seine Pläne Zwischen „Hamlet“ und „Känguru-Chroniken“

Mit der Spielzeit 2014/15 hat Nico Dietrich die Intendanz des Jungen Theaters (JT) übernommen. Der Trägerverein hat seinen Vertrag um drei Jahre verlängert. Jetzt will Dietrich die Lehren, die er aus den zwei Jahren gezogen hat, umsetzen. Und er verrät: Zum Start der neuen Spielzeit inszeniert er „Hamlet“.

Voriger Artikel
Eröffnung mit dem Trio Schmuck
Nächster Artikel
Benefizkonzert für neue Glocken

Große Pläne für kleines Haus: Nico Dietrich, Intendant des Jungen Theaters.  

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Es wird nächstes Jahr vorwärts gehen.“ Davon ist Dietrich überzeugt – und meint damit auch die Optik des Hauses. Neue Fenster hat das Haus schon bekommen, doch eine groß angelegte Sanierung war beantragt, doch nicht bewilligt worden. „Wir hätten gerne mehr geräumt, aber wegen des möglichen Gesamtumbaus abgewartet. Jetzt will der Intendant mit wenigen Mitteln beispielsweise das Foyer auf Vordermann bringen. Einen Spendengala mit Unternehmern soll dazu beitrage. Weit oben auf Dietrichs Wunschliste: ein neues Lichtpult und das Unterputzlegen von Leitungen.

Doch auch inhaltlich soll es vorangehen. Dietrich nennt einige Schlagwörter. Eines der ersten: „das eigene Profil schärfen“. Was genau er damit meint, führt er dann aus. Er wolle das JT als Ort für die freie Szene etablieren. Verbindungen zu ersten freien Theatern seien aufgebaut, ein erstes Festival über die Bühne gegangen. Das will er aufgrund der Erfahrungen in die zweite Hälfte der kommenden Spielzeit verschieben.

In den vergangenen Jahren hat sich Dietrich mit seinem dokumentarischen Theater einen Namen gemacht. So hat die Kulturstiftung des Bundes sein jüngstes Projekt zur demographischen Entwicklung im ländlichen Raum – „Odyssee im Leerraum“ – finanziell unterstützt. Das erzählt Dietrich nicht ohne Stolz. „Das ist eines der höchsten Fördergremien, die man im kulturellen Bereich haben kann.“

Die Anzahl der Vermietungen hat Dietrich während seiner Amtszeit hochgeschraubt. Das Ergebnis: „weniger Vorstellungen, aber ähnlich viel eingenommen“. Dietrich sieht das als Entlastung für das kleine Schauspielensemble. Mit dem Roma-Center habe man kooperiert, mit dem Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur und mit den Göttinger Hardcore-Freunden. Das bringe Geld ein, „generiert aber auch politischen Inhalt“, sagt Dietrich.

Zudem will Dietrich die Arbeit mit den Clubs im Haus verstärken. Rund 100 Mitwirkende proben in ihrer Freizeit im JT und treten meist am Spielzeitende dort auf, etwas 10000 Euro haben sie dabei eingespielt, erklärt Dietrich. Einige von ihnen werden auch bei JT-Produktionen eingesetzt. Diese Zusammenarbeit von Profis und Laien will Dietrich weiter verstärken.

Einen Zuschauerschnitt von 100 Besuchern verzeichnet Dietrich mit seinem Team, „soviel wie unter Andreas Döring“, Dietrichs Vorgänger.Zweimal schon sei die Spielzeit ausgeglichen beendet worden. „Wenn wir wieder bei Null ankommen, ist alles gerade“, sagt Dietrich.

Dazu beitragen soll seine Inszenierung des „Hamlet“ zum Spielzeitstart – auch eine komödiantische Produktion. Auf dem Spielplan werden die „Känguru-Chroniken“ stehen, vielleicht sogar als Uraufführung. Autor Marc-Uwe Kling arbeite gerade an einer Theaterfassung seiner Geschichten um den Studenten und das anstrengende Känguru, das bei ihm wohnt, verrät Dietrich, „die einzige, die künftig gespielt werden darf“.

Zur Person

Nico Dietrich ist seit der Spielzeit 2014/2015 Intendant des Jungen Theaters Göttingen. 1979 wurde er in Brandenburg/Havel geboren. Sein Regiestudium absolvierte er an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Am Nationaltheater Weimar leitet er von 2005 bis 2007 eine Spielstätte. Von 2010 bis 2011 war er Künstlerischer Leiter des Greizer Theaterherbstes. Einen Namen hat Dietrich sich vor allem mit dokumentarischen Theater gemacht. So inszenierte er beispielsweise „Wegschließen – und zwar für immer“ über das Leben von Sicherheitsverwahrten und „Odysse im Leerraum“ über die demographische Entwicklung im ländlichen Raum.           pek

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff