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Zwischen Irritation und Ästhetik

Kasseler Tanzcompagnie Zwischen Irritation und Ästhetik

Mit dem Tanzabend „Selbstauslöser“ war das Ensemble des Staatstheaters Kassel am Sonnabend zu Gast im Göttinger Deutschen Theater. Das im September 2008 uraufgeführte Stück stellt Fragen rund um die Suche nach der Identität. Die Choreografie stammt von Johannes Wieland.

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Der Himmel hängt voller Mikrophone: Szene aus „Selbstauslöser“.

Quelle: Ketz

Zwei große Abschnitte charakterisieren das Stück; der erste mehr schauspielerisch, der zweite weitgehend tänzerisch in der Darstellungsform. Inspirationsfeld ist die moderne Gesellschaft, wo Menschen zwischen Superstar- und Kuppel-Shows, zwischen Einsamkeit und Selbstdarstellung, zwischen Schein und Sein auf der oft schmerzhaften Suche nach sich selbst sind. 

Durch die Nutzung der echten Namen und (vielleicht) echten Geschichten der Tänzer und Darsteller wirken Fragen und Szenerien aus dem Leben gegriffen. Dabei spielen sie, wie letztlich jeder Aspekt des Stücks, mit der Frage: Ist das Wahrheit oder Lüge? Und: Ist diese Frage überhaupt wichtig? Vermischt sich nicht alles so stark miteinander, dass keine klare Trennung möglich ist?

Das hochaktuelle und anspruchsvolle Thema setzen Wieland und sein Ensemble tänzerisch wie schauspielerisch solide um. Akrobatik ist das wichtigste Ausdrucksmittel der Modern-Dance-Choreografien, weniger die Ästhetik. Dadurch bleiben jedoch auch einige Möglichkeiten ungenutzt, dem Thema mehr Facetten abzugewinnen. Ebenso wie bei den Szenerien, die zum Teil etwas beliebig und hastig wirken. 

Damit greifen die Theatermacher zwar die Methoden von Shows auf, in denen es um Selbstdarstellung, aber nie um den Menschen selbst geht. Sie gehen aber kaum darüber hinaus. Ein Gegenentwurf wären als Ergänzung schön gewesen.

Menschliche Glücksräder

Was im Stück möglich gewesen wäre, zeigten einige sehr fantasievolle, gelungene Szenen und Bilder, die gekonnt Irritation und Ästhetik verbinden. Etwa der an einen Feuerregen erinnernde Schwarm von Mikrofonen, der vom Bühnenhimmel schwebt: Er ist symbolisch gesetzt für die tausendundeine Möglichkeit, die Menschen heute offen steht, um sich selbst oder ein Bild von sich selbst in die Welt hinaus zu bringen. Oder die menschlichen Glückräder, die – wie das im Leben ja meistens so ist – gerne mal ein wenig hakeln. 

                                                                                            Von Isabel Trzeciok

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