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Zwischen hoher Präzision und Ungenauigkeit

Monteverdi-Chor aus Hamburg Zwischen hoher Präzision und Ungenauigkeit

Ein ausgezeichneter Ruf eilt dem Hamburger Monteverdi-Chor voraus. 1955 von Jürgen Jürgens gegründet, war er bereits in den 1980er-Jahren bei den Göttinger Händel-Festspielen zu Gast.

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Engagiert, aber nicht durchweg präzise: der Monteverdi-Chor Hamburg unter Gothard Stier in der Klosterkirche Bursfelde.

Quelle: Schäfer

Nun hat er am Sonntag in Reihe der Bursfelder Sommerkonzerte in der ausverkauften Klosterkirche ein Konzert gegeben, dirigiert von Gothard Stier, der 1994 nach Jürgens’ Tod die Leitung des Chores übernommen hatte.

Zunächst schien es, als mache der Chor seinem Ruf alle Ehre. Mendelssohns Motette „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ war präzise in der Intonation, in der gemeinsamen Artikulation bemerkenswert genau bis fast in die Nähe der Manieriertheit, dazu sehr ausdrucksstark und dynamisch flexibel. Wie auch der weitere Verlauf des Konzerts bewies, sind die 30 Choristen gründlich auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Einsatztöne bekommen sie von einer Chor-Sopranistin, die offenbar ein absolutes Gehör besitzt.

Doch schon der Ausflug in spät- und frühbarocke Gefilde zu Alessando Scarlatti und Claudio Monteverdi zeigte einige Schwächen auf. Da war zum einen kaum ein stilistischer Unterschied in der Gestaltung zwischen den romantischen und barocken Kompoitionen zu bemerken. Und hier und da war die Präzision der Intonation von deutlichen Unsicherheiten beeinträchtigt, etwa in einer raschen Partie der Männerstimmen in Monteverdis „Cantate Domino“, die kaum tonal einzuordnen war.

Diese Mischung aus Zuverlässigkeit und kleinen Ungenauigkeiten hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Außerdem hätte sich mancher Zuhörer sich eine etwas wagemutigere Programmgestaltung gewünscht: Bis auf eine Mauersberger-Motette („Schönster Herr Jesu“) und zwei schlichte Choralmotetetten eines unbekannten Thüringer Kantors aus dem 18. Jahrhundert waren es die üblichen Chor-Highlights, die immer und überall gesungen werden. Mit Regers „Nachtlied“ und dem zugegebenen Abendlied von Rheinberger ging das Konzert zu Ende, gefolgt von einer vom Dirigenten spontan initiierten Kollekte für die Flutopfer in Pakistan, die mehr als 1000 Euro Spenden erbrachte.

Von Michael Schäfer

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