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Zyklus „Wiener Klassik“ des Göttinger Symphonie-Orchesters

Motto „Der Weg in die Romantik“ Zyklus „Wiener Klassik“ des Göttinger Symphonie-Orchesters

Der Zyklus „Wiener Klassik“ des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) hat am Donnerstag seine Fühler in Richtung Zukunft ausgestreckt.

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Quelle: Heller

Göttingen. Das Programm unter dem Motto „Der Weg in die Romantik“ reichte von der Mannheimer Schule, die noch ein Vorläufer der Wiener Klassik ist, bis hin zum Cellokonzert von Robert Schumann aus dem Jahr 1850. Da war die Wiener Klassik schon längst Vergangenheit.

Rasant eröffnete das GSO den Abend unter der temperamentsprühenden Leitung von Christoph-Mathias Mueller mit der d-Moll-Symphonie von Georg Joseph Vogler, einem Komponisten der Mannheimer Schule, der sieben Jahre älter ist als Mozart. Nein, ein Nichtskönner war Vogler beileibe nicht: Dieses auf einer Äußerung Mozarts fußende Vorurteil widerlegten die GSO-Musiker glänzend. Ähnlich fulminant geht es in Carl Maria von Webers zweiter Symphonie zu, in der das junge Blut des 20-jährigen Komponisten gehörig braust und die mit warmem Hörnerklang und der auffallend farbigen Instrumentierung in vielen Zügen auf die „Freischütz“-Atmosphäre verweist.

Gehört diese Symphonie noch zu den Randbereichen des gewohnten Konzertrepertoires, ist Meyerbeers Ouvertüre seiner Schauspielmusik zu „Struensee“ eine Rarität. Auch dieses Werk – mit wunderschönen Soloaufgaben für Harfe und etliche Bläserstimmen – war eindeutig eine lohnende Ausgrabung, effektvoll, von den GSO-Musikern mit großer Leidenschaft und Virtuosität musiziert. Muellers dirigentisches Feuer konnten die Instrumentalisten perfekt umsetzen.

Schlusspunkt des von Dorothea Schröder sehr informativ moderierten Abends – diesmal dankenswerterweise in knapperem zeitlichen Rahmen – war das Konzert für Violoncello und Orchester von Robert Schumann. In der Tat blickt der Komponist hier stilistisch ein Stück zurück in die Vergangenheit – und lässt dabei das Soloinstrument derart himmlisch singen, dass man förmlich hineingesogen wird in diesen Kosmos zärtlicher Empfindungen.

Der Schweizer Cellist Rafael Rosenfeld spielte seinen Solopart mit feinen dynamischen Abstufungen und bis in die höchsten Lagen mit perfekter Intonation, mit warmer Delikatesse, nirgends mit großem Ton auftrumpfend, sondern aufgelichtet, schwerelos. Dem fügte sich das Orchester unter Muellers flexibler, immer vorausschauender Leitung innig an: So funktioniert musikalische Partnerschaft bestens. In den Beifall des Publikums in der voll besetzten Universitätsaula mischten sich Bravorufe. Zum Dank spielte Rosenfeld einen Bach-Satz als Zugabe.

Von Michael Schäfer
 

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