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Die Comedian Harmonists bei den Gandersheimer Domfestspielen

Spagat auf der Bühne Die Comedian Harmonists bei den Gandersheimer Domfestspielen

Einen Spagat muss hinkriegen, wer „Die Comedian Harmonists“ auf die Bühne bringen will. Das Stück unterhält mit mitreißender Musik, schildert aber auch die Geschichte des Gesangensembles, dem die Nazis das Leben schwer machten. Premiere war jetzt in Bad Gandersheim.

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Die Comedian Harmonists Erich (J. Nowak), Roman (J. Kiesler),  Harry (D. Weiler), Robert (D. Dimitrow) und Ari (O. Polenz) (v. l.).

Quelle: Hillebrecht

Bad Gandersheim. „Achtung. Selten.“ So fing eine Anzeige an, mit der Harry Frommermann Ende des Jahres 1927 Mitstreiter für ein Gesangsensemble suchte.

Er war begeistert von der US-amerikanischen A-cappella-Gruppe The Revelers. Die Zeiten in Deutschland waren schwierig, aber die Vergnügungskultur erlebte eine Blütezeit. Vor allem Berlin entwickelte sich zu einer Hauptstadt des wilden Nachtlebens. Frommermann wollte daran teilhaben.

Viele Männer meldeten sich auf seine Anzeige und kamen zum Vorsingen. Einer blieb: Robert Biberti. Der Bass brachte mit, was Frommermann in der Anzeige eingefordert hatte: „Berufssänger, nicht über 25, sehr musikalisch, schönklingende Stimmen“.

Biberti überredete Kollegen aus anderen Chören, drei Monate später stieß der Pianist und studierte Musiker Erwin Bootz dazu. Eine lange Zeit des Probens begann. Nach neun Monaten kam der erste Auftritt, der Erfolg stellte sich sehr schnell ein. Aus den Melody Makers wurden die Comedian Harmonists, die es zu Weltruhm brachten – bevor die Nationalsozialisten den Chor zerschlugen. Denn drei der sechs Künstler waren Juden oder zumindest nicht arisch.

Das Produktionsteam in Bad Gandersheim ist dieser Spagat zwischen der leichten Unterhaltung mit den charmant-humorvollen Liedern der Comedian Harmonists und ihre unglücklichen Geschichte bemerkenswert konsequent gelungen. Der Abend lebt von seiner Musik, für die der musikalische Leiter Gero Wiest, der auch als Pianist Erwin auf der Bühne steht, verantwortlich zeichnet.

Wandlungsfähigkeit und offensichtlicher Spaß

Geschmeidig hat er die Lieder arrangiert. Mehrstimmig singt das Männerquintett um den starken Schauspieler Dirk Weiler (Harry), Daniel Dimitrov (Robert mit einem wunderbar samtigen Bass), Oliver Polenz (Ari), Jannik Nowak (Erich) und Johannes Kiesler (Roman) mit viel stimmlicher Qualität).  

Regisseur Achim Lenz hat diese Liederrevue in einen nachvollziehbaren Ablauf gefasst, der in wenigen Szenen die Probleme schildert, die der Chor anfangs überwindet und an denen er später scheitert. Ein wenig scheint auch die Zeit der späten Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre durch.

Cornelia Brey, die nun schon seit zehn Jahren bei den Gandersheimer Domfestspielen arbeitet, hat eine schlichte, aber schlagende Bühne entworfen: eine überdimensionale Schallplatte auf dem Fußboden.

Und dann ist da ja auch noch Jens Schnarre. Er spielt alle Rollen um die Comedian Harmonist herum vom singenden Bewerber bis hin zum fiesen Nationalsozialisten. Das macht er mit viel Wandlungsfähigkeit und offensichtlichem Spaß. Den hatte auch das Publikum, das die Premiere anschließend minutenlang und weitestgehend im Stehen begeistert feierte.

Bis Donnerstag, 13. August, zahlreiche weitere Vorstellungen. Karten gibt es unter Telefon 0 53 82 / 73 777.

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