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Michel ohne Freund

Gandersheimer Domfestspiele Michel ohne Freund

Der arme Michel. Sein bester Freund Alfred ist ihm abhanden gekommen. Verantwortlich dafür ist Regisseur Tim Egloff. Er hat aus dem Kinderbuch „Michel aus Lönneberga“ zum Auftakt der Domfestspiele eine Schrei- und Rennproduktion inszeniert. Aus dem verlässlichen Knecht Alfred ist eine Dumpfbacke geworden.

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Michel (Moritz Fleiter) steckt mit dem Kopf in der Schüssel, Knecht Alfred (Veit Schäfermeister) und Magd Lina (Dominika Szymanska) wollen helfen.

Quelle: Hillebrecht

Bad Gandersheim. Michel wird nicht die blaue Mütze tragen, die er im Kinderbuch auf dem Kopf hat, sondern ein rotes Basecap. Das teilten die Organisatoren im Vorfeld mit und wiesen damit den Weg: Astrid Lindgrens „Michel aus Lönneberga“ sollte aktualisiert werden, wenn auch maßvoll. Eigentlich eine kluge Entscheidung, denn gegen Film und Buch ist es schwer anzuspielen. Schwierig allerdings wird es, wenn aus den Figuren Karikaturen werden.

Beschaulich liegt der Katthult-Hof in dem kleinen schwedischen Dorf Lönneberga. In Michels Elternhaus leben seine Eltern und seine Schwester Ida gemeinsam mit der Magd Lina und Knecht Alfred - im Film zumindest. Regisseur Egloff, der 2011 als eine seiner ersten Regiearbeiten „Nach dem Ende“ am Jungen Theater Göttingen inszenierte, und seine Ausstatterin Friederike Meisel haben die Dorfidylle einem Abenteuerspielplatz geopfert. Hier tobt sich Michel aus, immer wieder auch tatkräftig unterstützt von seiner kleinen Schwester. Das Ensemble spielt die Episode mit dem Suppentopf, in den Michel seinen Kopf steckt, um ihn anschließend nicht wieder herauszukriegen. Er will Lina den schmerzenden Zahn ziehen, fängt einen Dieb und zieht seine Schwester am Fahnenmast hoch. Doch anders als im Kinderbuch treibt ihn jetzt weniger die Neugier auf alles in der Welt an, sondern eher die Lust auf Anarchie. Drunter und drüber soll es gehen, und diesen Gefallen tut ihm Egloff.

Da wird viel herumgerannt und geschrien. Die Figuren bewegen sich in Stereotypen und orientieren sich an Comicsprache. Ausstatterin Meisel hat sie in schrilles und trashiges Outfit gesteckt. Auf Slapstick und Situationskomik wollte Egloff setzen, beides ist ihm hier und dann ganz anarchisch entglitten. Ein beherzter Griff an Linas Oberweite, der Einblick hinter die Klotür, wenn’s in Vaters Bauch rumort, ist eher etwas fürs deftige Schenkelschlagen als für ein ausgewiesenes Kinder- und Familienstück der Domfestspiele. Das Ensemble um Moritz Fleiter, der in den vergangenen Jahren immer wieder große Rollen in den Gandersheimer Familienstücken übernommen hatte und jetzt den Michel spielt, wirbelt über diesen Spielplatz, der von einem großen Gerüst aus Buchstaben bestimmt wird. Michel steht hier zu lesen, manchmal auch Emil, wie Michel im schwedischen Original heißt, wenn die Akteure die Buchstaben verschieben. Das dann zu lesen, ist immerhin eine Herausforderung für Erst- und Zweitklässler.

Bis Sonntag, 24. Juli, zahlreiche weitere Vorstellungen auf der Openair-Bühne vor der Stiftskirche in Band Gandersheim. Kartentelefon: 0 53 82 / 73 777.

Mehr Programm bei den Domfestspielen

Drei weitere Premieren stehen auf dem Programm der Gandersheimer Domfestspiele. Offiziell eröffnet werden sie am Donnerstag, 2. Juni, um 20 Uhr mit Tschechows „Der Kirschgarten“, inszeniert von Intendant Christian Doll. Am Freitag, 10. Juni, um 20 Uhr folgt das Musical „Highway to Hellas“, das Doll und der musikalische Leiter Heiko Lippmann mit Arnd Schimkat und Moses Wolff entwickelten. Regie führt Achim Lenz. Das Musical „Die drei Musketiere“ hat am Freitag, 24. Juni, um 20 Uhr Premiere, inszeniert von Craig Simmons.

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