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Premiere von Jesus Christ Superstar bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen

Da steppte Herodes Premiere von Jesus Christ Superstar bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen

Judas hat ihn satt, diesen Jesus von Nazareth. Und er hat genügend Argumente, denn dieser Typ drischt nur noch Phrasen und vergnügt sich mit der ehemaligen Prostituierten Maria Magdalena. Das kann nicht der Messias sein. Und dennoch fühlt auch er sich auf zu diesem Sonderling hingezogen. Dies ist die Ausgangsposition der legendären Rockoper „Jesus Christ Superstar“, der dritten Premiere der Bad Gandersheimer Domfestspiele.

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Das große Finale einer schweißtreibenden Premiere: „Jesus Christ Superstar“.

Quelle: Hillebrecht

Bad Gandersheim. Das Werk aus der Feder Andrew Lloyd Webbers mit Texten von Tim Rice wurde 1971 in New York uraufgeführt. Der Komponist war damals eher unbekannt. Lang ist das her. Für die Darsteller und die Festspiel-Band war diese Premiere mit deutschen Texten im Jahr 2015 eine schweißtreibende Angelegenheit, denn die  Temperaturen lagen am Donnerstagabend über 30 Grad.

„Der Bestseller“ wie Intendant Christian Doll das Neue Testament eingangs augenzwinkernd nennt, bietet eine riesige Projektionsfläche für das Leben und die Darstellung von dem, der sich Sohn Gottes nannte. Die Inszenierung von Achim Lenz folgt insofern dem Ursprungskonzept, das Jesus als Zweifler und jenseits mystischer Verklärungen zeigt.

Waren die Apostel in der Urfassung von den Hippies und der „Love and Peace Bewegung“ inspiriert, ist  Jesus nun von coolen Typen mit schweren Stiefeln und zuweilen arg lasziv dargestellten Damen umgeben. Sie sitzen am Laptop und haben stets das Smartphone zur Hand. Die Fans von heute heißen Follower, und so steht auf dem Buch, das Jesus mit sich herumträgt, und dem unübersehbaren Transparent auf der Bühne „follow me“. Doch wer Jesus eben noch „geliked“ hat, der kündigt ihm bald nicht nur die facebook-Freundschaft. Aus der Tafel, an der man eben noch gemeinsam speiste, wird das Kreuz.

Christian Alexander Müller ist ein sympathischer, greifbarer Jesus und überzeugt darstellerisch und gesanglich. Der große Star des Abends aber ist Judas (Alexander di Capri). Mit viel Charisma und kraftvoller Stimme verkörpert der Beau äußerst glaubhaft die Zerrissenheit des Verräters. Besonders beim Titel „Tod des Judas“, in dem der unter die Haut gehende Song Maria Magdalenas (Julia Lißel) „Wie soll ich ihn nur lieben“ motivisch wieder aufgenommen wird, brilliert er.

Die Inszenierung schöpft in ihren besten Momenten aus dem Fundus der Darstellungen des biblischen Textes wie beim Standbild, das an das berühmte Gemälde „Das Abendmahl“ Leonardo da Vincis angelehnt ist. Würze verleiht insbesondere die revueartige Steppeinlage König Herodes (Dirk Weiler), herrlich lächerlich und überzogen im rotkarierten Pyjama. Der große Hit „Superstar“ setzt allem mit seiner energiegeladenen Choreographie die Krone auf. Lang anhaltender und hochverdienter Premierenapplaus beendet diesen gelungenen Musical-Abend.

Bis Sonntag, 16. August, zahlreiche weitere Vorstellungen auf der Festspielbühne in Bad Gandersheim. Kartentelefon: 0 53 82 / 73 770.

Von Marie Varela

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