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Start mit Kirschgarten

Gandersheimer Domfestspiele Start mit Kirschgarten

Alles ist in Folie wickelt in diesem Haus im russischen Irgendwo – Möbel, Pflanzen, Bücher, sogar die Menschen. Alles gehört hier zum Inventar. Mit diesem starken Bild beginnt die Inszenierung „Der Kirschgarten“, mit der die Gandersheimer Domfestspiele am Donnerstagabend eröffnet wurden. Regie führte Intendant Christian Doll.

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Dicke Luft: Lopachin (Gunter Heun) will Veränderung, Ranewskaja (Martina Maria Reichert) nicht. 

Quelle: Hillebrecht

Bad Gandersheim. Die Mischung macht’s. Festspiele wie jene in Bad Gandersheim locken mit leichter Musical-Kost und bilden mit Klassikern. Dieser Mix hat sich bewährt. In dieser Saison steht neben musikalischen Spaßproduktionen „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow auf dem Programm, ein Dauerbrenner der russischen Theaterliteratur.

Die Pleite droht

Der Kirschgarten ist ein Relikt aus besseren Zeiten. Er wirft nur noch alle zwei Jahre Kirschen ab und dann zu viele. Das erklärt Kaufmann Lopachin (Gunter Heun) der Gutsbesitzerin Ranewskaja (Martina Maria Reichert). Sie sind zusammen aufgewachsen – er als Spross von Leibeigenen, sie als künftige Chefin. Fünf Jahre war sie weg, jetzt ist sie wieder zurück auf ihrem Gut – kurz bevor alles verloren ist.

Der Familie droht die Pleite. Sie gibt das Geld mit vollen Händen aus, hat kaum Einnahmen und ist nicht bereit umzudenken. Lopachin will den berühmten Kirschgarten abholzen und das Land an Urlauber verpachten. Ranewskaja lehnt entrüstet ab. Sehenden Auges treiben sie und ihre Verwandtschaft auf den Abgrund zu.

Termine und Karten

Bis 23. Juli sind zahlreiche weitere Vorstellung auf der Openair-Bühne auf dem Stiftsplatz in Bad Gandersheim geplant. Kartentelefon: 0 53 82 / 73777.

Die Botschaft ist so klar wie aktuell. Kopf in den Sand ist keine Lösung für anstehende Umwälzungen. Das münzt Intendant Doll in seiner letzten Spielzeit bei den Domfestspielen auch auf das Festivalstädtchen Bad Gandersheim, das durch den demographischen Wandel von dramatischen Einschnitten betroffen sein werde, so das Programmheft. „Und doch gelingt es nur schwer, sich frühzeitig auf den Wandel einzustellen“.

Ranewskaja gelingt das bis zum Ende nicht.

Die Schauspieler Reichert und Heun führen ein stark aufspielendes Ensemble an, in dem jeder Akteur seiner Figur Alleinstellungsmerkmale mitgibt. Dirk Weiler beispielsweise spielt prächtig den alternden Studenten Trofimow, und Franziska Becker ist ein wundervoll schillernde Gouvernante.

Dem Ensemble gelingen berührende Szenen voller Größe, aber es scheut auch nicht vor Slapstick zurück. Regisseur Doll hat seine Schauspieler umsichtig angeleitet und es verstanden, alles zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzuführen. Das ergibt in seinen starken Momenten einen berührenden Abend unter freiem Himmel vor dem mächtigen Domportal.

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