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Elchpreisträger Hurzlmeier stellt im Alten Rathaus Göttingen aus

„Meisterwerke der Goldigen Periode" Elchpreisträger Hurzlmeier stellt im Alten Rathaus Göttingen aus

Tiere wo man auch hinschaut. Große Tiere und kleine, farbenfrohe und düstere, aufdringliche und versteckte. Rudi Hurzlmeier, seit der festlichen Verleihung am Sonntag im Deutschen Theater Träger des Satirepreises „Göttinger Elch“, trägt offensichtlich eine große Liebe zur Fauna der Welt in sich. Das jedenfalls legt seine Ausstellung nahe, die derzeit im Alten Rathaus läuft.

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Rudi Hurzlmeier erhält im Deutschen Theater den Satirepreis „Göttinger Elch“

Vor dem Bild „Autokino“: Rudi Hurzlmeier (links) mit Ex-“Titanic“-Chefredakteur Thomas Gsella.

Quelle: Heller

Göttingen. „Meisterwerke der Goldigen Periode“ heißt die Schau, die in Kooperation mit dem Karikaturenmuseum Krems, ergänzt mit Werken eines privaten Sammlers, zustande gekommen ist.

Hurzlmeier ist ein Meister der Komischen Kunst. Das haben Kritiker ihm vielfach bescheinigt, das verraten seine Bilder. Großformatige Acrylwerke hängen an den Wänden. Kabinettartig sind dazu eine Reihe schneller Zeichnungen zu sehen. Sketchbook, also Skizzenbuch, nennt er diese Abteilung.

„Es geht um Sinneslust in der Ausstellung“, hatte Göttingens Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) zur Eröffnung gesagt. Pralle Damen rekeln sich in den Bildern Hurzlmeiers, kräftige Schlammcatcherinnen verknäulen sich, dralle Tierhintern drängen aus der Leinwand. Die Berge glühen, Früchte fangen Feuer, ein Obstbrandt. Hurzlmeier sei ein „Großmeister allegorischer Kunst“, erklärte Martin Sonntag, Leiter der Caricatura-Galerie in Kassel zur Vernissage. Opulenz sieht er in den „altmeisterlich daherkommenden Prunkbildern“.

Zu alledem sind Hurzlmeiers Bilder eben auch noch komisch. „Im Sinne von lustig“, erklärte Sonntag. Glubschäugige Fische treiben stumm durchs Gebirge, dazwischen eine sirrende Biene. Vier Vögel schauen sich ein Auto an, das nennt sich „Autokino“. Ein Türke reitet auf einem Schimmel in Istanbul ein, in seinem Rücken steckt ein Schwert. „Heimkehr vom Opernball“ hat Hurzlmeier getitelt. Er zeigt uns „die Liebeslaube des Allmächtigen, einen Schotten von unten, den „ersten selbstgemachten Käse“ mit einer Vollbusigen mit Bart.

„Thanksgiving“, in den USA eines der wichtigsten Familienfeste, löst bei Hurzlmeier offenbar andere Assoziationen aus. In dem gleichnamigen Bild reitet ein kleines bebrilltes Männchen Huckepack auf einer kräftigen Frau, der das Kerlchen einen Joint in den Mund steckt. Sie stolpert durch ein Kaktusfeld. Und Selbstironie gelingt Hurzlmeier ebenfalls prächtig, egal, ob wir ihn in einem kleinen Raumgleiter fliegen sehen, umringt von Bodyguards in Rekelpose oder etwas jämmerlich im Affenkostüm.

Sehr traumhaft mutet das alles an, die Surrealisten in den 1920er-Jahren hätten ihre Freude an Hurzlmeier gehabt. Ehrenmitglied wäre er bestimmt geworden, nun ist er Göttinger Elch. Sonntag würdigte ihn: „Hurzlmeier ist ein großer Freund der Tiere, ein großer Freund der Symbolik – und ein großer Freund der Menschen.“ Und ein großer Künstler.

Die Ausstellung „Meisterwerke der Goldigen Periode“ von Rudi Hurzlmeier läuft bis Sonntag, 28. Juni, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9.

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