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Barockharfenistin Margret Köll bei den Göttinger Händel-Festspielen

Töne wie Sterne Barockharfenistin Margret Köll bei den Göttinger Händel-Festspielen

Die Barockharfenistin Margret Köll spiegelt in ihrer Erscheinung den Klang ihres Instruments: feinfühlig, strahlend und klar. Ihre Finger entlocken der historischen Harfe funkelnde Töne poetischer Melodien und zugleich aufregende, gewagte Harmonien. Am Mittwoch gastierte Köll im Programm der Händel-Festspiele im Rittersaal der Burg Adelebsen – das Ambiente passte perfekt zur Musik.

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Margret Köll

Quelle: Pförtner

Adelebsen. Als die Musikerin die ersten Töne auf der Barockharfe zupft, wirken sie leiser als bei der Konzertharfe. Doch schnell schätzt man den zarten und durchsichtigen Klang. Die kristallinen Höhen und warmen Bässe haben Magie. Die Darmsaiten sind in drei Reihen nebeneinander angeordnet und ermöglichten im Barock erstmalig eine chromatische Stimmung auf der Harfe – und damit viele harmonische Möglichkeiten. Viele der von Köll unter dem Titel „Musen und Sirenen“ vorgestellten Komponisten schöpfen diese aus – ihre Werke wirken noch heute etwas avantgardistisch.

 
Die Harfenistin stellt zu Beginn des Konzerts Komponisten aus Italien und Spanien vor. In Werken von Carlo Gesualdo, Ascanio Mayone, Antonio de Cabezón oder Giovanni de Macque hört man noch immer den Geist harmonischer Freiheit und der Suche nach neuen Ideen. Im zweiten Teil des Abends wechselt die Harfenistin nach England. Hier lassen Werke von Henry Purcell, Jeremy Clark oder John Parry die Inspiration durch schottische und irische Folklore durchscheinen.

 
Spieltechnisch schwebt die Österreicherin in höchsten Höhen. Grandios, wie sie das Concerto grosso op. 6 F-Dur von Arcangelo Corelli auf die Harfe reduziert und als Solostück interpretiert. Aufregend ihr Mut zu einer Improvisation. Diese führt gegen Ende des Konzerts zu Georg Friedrich Händel. Ihm huldigt sie mit zwei Miniaturen aus der Oper Giulio Cesare und der Suite Nr. 2 F-Dur (HWV 427). Man erkennt Händel auch auf der Solo-Harfe sofort: Voller Schönheit leuchten die für ihn so typischen starken Melodien.

 
Das Publikum bedankt sich mit euphorischem Applaus. Köll entlässt ihre Zuhörer mit einer weiteren Händel-Komposition in die Abenddämmerung – und dabei glitzern die hohen Töne der schönen Melodie auf der Harfe wie Sterne.

 

Von Udo Hinz

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