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Göttinger Händel-Festspiele 2015: Auftakt im Duderstädter Ursulinenkloster

Mit ausgeklügelten Freiheiten Göttinger Händel-Festspiele 2015: Auftakt im Duderstädter Ursulinenkloster

Zwei Festspielchefs im musikalischen Dialog: Das erlebt man nicht alle Tage. Am Sonntag gaben zum Auftakt der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen die deutsche Blockflötistin Dorothee Oberlinger und der englische Cembalist Laurence Cummings ein Konzert in der ausverkauften Kirche des Ursulinen-Klosters.

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Quelle: Pintschak

Duderstadt. Sie ist Intendantin der Barock-Festspiele im hessischen Bad Arolsen, er musikalischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele. Man kann schon gespannt darauf sein, wie zwei derart ausgefuchste Barockspezialisten gemeinsam Musik machen – besonders dann, wenn sie erst zwei Tage vor dem Konzert erstmals miteinander Kontakt hatten, wie Göttingens Festspiel-Intendant in seiner Begrüßung erwähnte. Kann so etwas gut gehen?

Es kann. Und wie. Offenbar sprechen Musiker dieses Genres haargenau dieselbe Sprache, ohne sich ausführlich absprechen zu müssen. Cummings wie Oberlinger sind ausgewiesene Virtuosen auf ihren Instrumenten, erfahren in barocker Verzierungskunst, barocker Artikulation, barocker Diktion. Da weiß man, was man hat.

Händels C-Dur-Flötensonate HWV 365 stand am Anfang, und schon hier spürte das Publikum, was Cummings später in einer kurzen Einführung erwähnte: Diese Instrumentalstücke sind so etwas wie kleine Opern. Die Melodiebildung hat sehr viel mit vokalen Vorbildern zu tun, die Blockflöte beginnt zu sprechen, auch wenn keine Worte zu vernehmen sind, ja die Flöte wird sozusagen zum Körperteil der Solistin. Das zeigte Oberlinger anschließend eindrucksvoll in Sammartinis G-Dur-Sonate wie auch in der besonders reich ornamentierten Corelli-Sonate in F-Dur, die sie in der Fassung des englischen Händel-Zeitgenossen William Babell präsentierte.

Wem übrigens das Finale der Händel-Sonate irgendwie bekannt vorkam, hatte den richtigen Riecher. Das Thema hat Händel sowohl im Concerto grosso HWV 313 als auch in einem Duett der Oper „Alessandro“ („Placa l’alma“) verwendet.
Ein glänzendes Plädoyer für die galante und ausdruckstiefe Kunst des Händel-Freundes Georg Philipp Telemann war die C-Dur-Sonate, mit der Oberlinger und Cummings die zweite Hälfte des Konzerts eröffneten. Ein ebensolches Meisterwerk ist Händels d-Moll-Sonate KWV 367, die das offizielle Finale bildete. Hier feierte die atemberaubende Virtuosität beider Musiker Triumphe – sowohl in den perlenden, scharf konturierten Läufen der Flöte als auch im klangprächtig rauschenden Passagenwerk des Cembalos.

Das führte Cummings auch solistisch vor: in Händels d-Moll-Cembalosuite HWV 428. Ganz entspannt, ganz unangestrengt präsentiert Cummings diese Musik, präzise und zugleich mit fein ausgeklügelten Freiheiten im Umgang mit dem Zeitmaß. Das ist hohe Kunst. Der Beifall am Schluss des Konzerts wollte kaum ein Ende nehmen – und wurde mit bereitwillig gewährten Zugaben belohnt.

Von Michael Schäfer

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