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Göttinger Händel-Festspiele: Odd Size bringen Händels Messiah auf die Bühne

Hallelujah! Göttinger Händel-Festspiele: Odd Size bringen Händels Messiah auf die Bühne

So richtig wusste niemand im Publikum, was man denn jetzt genau erwarten sollte. Händels Messiah stand auf dem Programm. Ein festliches Oratorium, dessen Besetzungsliste ebenso lang werden kann wie das Alte Testament. „Wir hatten aber nur Geld für vier Leute“, sagte Violinist Per T Buhre nach den ersten Minuten. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass das Experiment der schwedischen Barockpunks in der Göttinger Musa funktionierte.

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Vier mit Fantasie: Per T Buhre, Fredrik Bock, Ingrid Andersson und Elisabeth Holmertz (von links).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Buhre musste selbst lachen, als er das Oratorium für eine erklärende Moderation unterbrach (Sünde!). „Wir alle haben Händels Messiah schon oft aufgeführt und wollten mal eine eigene Version machen.“ Dass die gewählte Besetzung finanziellen Gründen geschuldet sei, ist natürlich nicht der wahre Grund für dieses Experiment. Bei Odd Size wird deutlich, dass sich hier junge Musiker mit der gleichen unkonventionellen Ästhetik zusammengefunden haben. „Unsere Version ist auch ein bisschen lustig. Wir hoffen, sie gefällt euch.“

 
Diese Hoffnung wurde mit einer außergewöhnlich guten Stimmung im ausverkauften Saal definitiv erfüllt. Das lag nicht unbedingt daran, dass das Ensemble das Ausgangsmaterial im positiven Sinne nicht besonders ernst nahm, sondern war vor allem der musikalischen Qualität zu verdanken. Sicher, man bekommt in der Version von Odd Size keine schmetternden Chöre und instrumentale Wucht zu hören. Dafür hat Sopranistin Elisabeth Holmertz wunderbar gescattet und Cellistin Ingrid Andersson wechselte mühelos zwischen metrischer Strenge und Swing. Fredrik Bock lieferte auf der Barockgitarre das so dringend benötigte harmonische Fundament, konnte aber auch hervorragend solieren. Buhre nahm mit großer Improvisationsfreude instrumentale und vokale Linien des Originals auf und gab obendrein noch einen ganz passablen Countertenor.

 
Am Ende währt die Version der Schweden gerade mal eine knappe Stunde. Und welche Zugabe spielen sie nach Händels berühmtem Hallelujah-Schluss­chor, der eigentlich keine Zugabe duldet? „I will always love you“ von Whitney Houston. Und irgendwie funktioniert auch diese eigenwillige Idee hervorragend.  

Von Jonas Rohde

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