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Händel-Festspiele: Orchester, Chor und Solisten begeistern mit „Theodora“

Schmelz und Strahlkraft Händel-Festspiele: Orchester, Chor und Solisten begeistern mit „Theodora“

Das Oratorium „Theodora“ war zu Lebzeiten Georg Friedrich Händels kein Publikumserfolg. Heute genießt sein dramatisches Spätwerk zu Recht großes Ansehen. Warum das so ist, kann man eigentlich nur selber hören: Am besten vielleicht in der Aufnahme unter der Leitung von Laurence Cummings, die bei den Internationalen Händel-Festspielen in der ausverkauften Stadthalle entstanden ist und auf NDR Kultur ausgestrahlt werden wird.

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Ausdrucksstark und präzise: Countertenor Robin Blaze als Didymus und Tenor Rupert Charlesworth als Septimius.

Quelle: Heller

Göttingen. Weit entfernt ist das Libretto Thomas Morells von den alttestamentarischen Narrativen, die für Händels spätere Oratorien häufig prägend waren. Die Geschichte um Theodora, die aus christlicher Tugend eher zur Märtyrerin wird, als römischen Göttern zu huldigen, ist tragisch und düster – vielleicht etwas zu düster für viele von Händels Zeitgenossen. Was der Komponist aber bei der Verklanglichung dieses Stoffs erreicht hat, ist außergewöhnlich: Eine dramaturgisch-musikalisch ausgeklügelte Gesamtstruktur, hochexpressive Arien und mit „He saw the lovely youth“ einen von vielen eindrucksvollen Chören, den Händel selbst seinem Hallelujah vorzog. Das Oratorium wird heute nicht umsonst oft als Bühnenstück aufgeführt – so kraftvoll und bunt ist die Musik.

 
Für solche Musik braucht es entsprechende Interpreten, die Stadthalle war an diesem Abend voll davon: Sopranistin Carolyn Sampson hat als Theodora etliche denkwürdige Momente, darunter die so friedvolle Arie „Angels, ever bright and fair“. Mit Countertenor Robin Blaze als Didymus ist ihr ein Geliebter zur Seite gestellt, dessen klare Stimme Lyrik und Dramatik auszudrücken vermag. Sein unbegleiteter Einstieg in „The raptur’d soul defies the sword“ war durch Schmelz und Strahlkraft eines der frühen Glanzlichter im ersten Akt. Mezzosopranistin Susan Bickley durfte mit „As with rosy steps the morn“ eine der zartesten Arien singen, die Händel je geschrieben hat. Den Triumph der Tugend hat Rupert Charlesworth in „From virtue springs each gen’rous deed“ kraftvoll und in sich selbst ruhend besungen. Sein schöner Tenor hatte eine angenehme Fülle. Und schließlich gab es da noch Lisandro Abadie als den Widersacher und Statthalter Valens, dem Händel nur wenig Gelegenheit gegeben hat, sängerisch hervorzutreten. Abadie aber nutzte auch die wenigen kurzen Arien, um mit seinem kraftvollen Bass-Bariton in Erinnerung zu bleiben.

 
Der von Händel so geschickt konstruierte Dualismus zwischen dem Chor der Heiden und dem der Christen arbeitete der NDR-Chor (Einstudierung Robert Blank) sehr gut heraus. Mit dem sonoren Tenor Keunhyung Lee stellte er zudem einen Solisten für die Rolle des Boten. Diese vokalen Leistungen erst möglich machte das Festspielorchester Göttingen. Cummings führte seine Musiker durch römische Fanfaren, flehende Streicherkaskaden und die expressiven Duette von Theodora und Didymus. Ausdrucksvoll und die sanglichen Glanzlichter zu jeder Zeit verstärkend, hat das Orchester eine Höchstleistung vollbracht – wie alle anderen Mitwirkenden dieses sehr gelungenen Abends auch.

 
Die Aufzeichnung des Konzerts wird am 12. Juli um 11 Uhr auf NDR Kultur ausgestrahlt.

 

Von Jonas Rohde

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