Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Händel-Festvortrag: Cord-Friedrich Berghahn über barocke Frauengestalten

Ikonischer Charakter Händel-Festvortrag: Cord-Friedrich Berghahn über barocke Frauengestalten

Einen Überblick und analytischen Einstieg in die Welt der Heldinnen der barocken Oper hat der Germanist Cord-Friedrich Berghahn gegeben. „Zauberinnen, Märtyrerinnen, Verführerinnen – Barocke Heroinen und die Ästhetik des Erhabenen“ hieß der diesjährigeFestvortrag in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz, mit dem traditionell das Symposium der Händel-Festspiele eröffnet wird.

Voriger Artikel
Stummfilm „Metropolis“ mit Live-Musikbegleitung im Deutschen Theater
Nächster Artikel
Oper für alle und Tag für Familien

Festvortragsredner: der Germanist Cord-Friedrich Berghahn.

Quelle: Heller

Göttingen. Auch wenn das Motto der Festspiele „Heldinnen!?“ lautet, sprach Berghahn von der Technischen Universität Braunschweig richtigerweise lieber von Heroinen im Sinne von „weiblichen Hauptfiguren mit ikonischem Charakter“ – denn viele Frauen der Operngeschichte zwischen Renaissance-Humanismus und Aufklärung haben fragwürdige Handlungsmotive.

Das sei kein Zufall: „Es geht der Oper nicht um die Entwicklung eines Charakters“, so Berghahn. „Deshalb stehen auf der Bühne Typen und keine Personen.“ Diese Ästhetik habe den Vorteil, leichter moralische Aussagen treffen zu können, die für die Affekthaftigkeit der Opera seria zentral waren.

In einer kursorischen Typologie arbeitete Berghahn bestimmte Archetypen der Heroinen heraus, die Opernkomponisten und Librettisten aus Geschichte und Mythologie für ihre Werke erschaffen haben.  Da gibt es beispielsweise bei Monteverdi die verführerische Intrigantin Poppea, bei Lully die wechselhafte Armida oder bei Händel Cleopatra, die Herrscherin und Verführerin. Allesamt sind das mächtige Frauengestalten, denn die gesellschaftlich vorherrschenden Hierarchien der Geschlechter fänden sich in der Oper oft vertauscht. Für Berghahn ist das ein zentraler Punkt: „Operngeschichte ist auch immer Ideengeschichte.“

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff