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Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters mit Uraufführung „Motions“

„Händel-Variationen“ Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters mit Uraufführung „Motions“

Die Händel-Festspiele und das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) arbeiten seit Langem zusammen. Daran entzündet sich die Fantasie der Programm-Macher immer neu. Unter dem Titel „Händel-Variationen“ bot das GSO am Sonntag Werke aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert: ein abwechslungsreicher Abend, der auf ganz unterschiedliche Weise mit Händel in Beziehung stand.

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Stellt ihre Komposition „Motions“ vor: Isabel Mundry.

Quelle: Heller

Göttingen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand die Uraufführung eines Werkes, das die Festspiele und das GSO bei der Komponistin Isabel Mundry in Auftrag gegeben hatten. Mundry gehört zu den prominentesten Vertreterinnen der zeitgenössischen Musik und hat mit „Motions // der doppelte Blick I + III“ eine ungewöhnlich spannende, ja fesselnde Musik geschrieben. Es geht ihr dabei um Bewegungen wie Schreiten oder Beugen, deren musikalischen Umsetzung ihre reiche Klangfantasie entzündet.

Das schlurft, knistert, klappert und plappert, wer will, kann dabei auch Hörspielelemente vernehmen. Die Musik hat bisweilen einen deutlich vernehmbaren Puls, setzt unerwartete Akzente, zwischen denen melodische Fragmente aufscheinen und wieder verlöschen. Klangflächen schieben sich übereinander, explodieren förmlich, um in schattenhaft-vagen Strukturen ins Nichts zu entschwinden. Ein Großteil der Zuhörer in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle folgte dieser auffallend organisch gewachsenen Musik mit wachsender Faszination. Der Beifall, auch für die anwesende Komponistin, war dementsprechend herzlich.

Eingeleitet hatte den Abend zweierlei Schauspielmusik zu Racines Tragödie „Athalie“, ein Stoff aus dem Alten Testament, den Händel zu einem Oratorium verarbeitet hat. Die hochdramatische Ouvertüre und ein strahlend-festlicher Kriegermarsch aus Mendelssohns „Athalia“-Musik standen am Beginn, gefolgt von einer bewegend klagenden „Athalie“-Ouvertüre von Frank Martin.

Den Glanzpunkt vor der Pause setzte die hochvirtuose Violinistin Carolin Widmann mit ihrer hier traumschönen, dort ungemein temperamentvollen Interpretation des Mendelssohn-Violinkonzerts. Ganz flexibel passte sich das GSO unter der präzisen, blutvollen Leitung von Christoph-Mathias Mueller der Solistin an, die für den begeisterten Applaus mit dem dämonischen Finalsatz („Les Furies“) aus der zweiten Violin-Solosonate von Eugène Ysaÿe dankte.

Hatten sich die GSO-Instrumentalisten sowohl in der ersten Hälfte des Abends als auch mit vielen ganz anders gearteten Aufgaben in der Mundry-Uraufführung glänzend bewährt, so setzten sie mit den Händel-Variationen von Johannes Brahms im 1938 entstandenen Orchesterarrangement des englischen Komponisten Edmund Rubbra noch einen äußerst bemerkenswerten Schlusspunkt. Da herrschte eine solche Intensität und eine Präzision auch in den kompliziertesten rhythmischen Strukturen, dass es eine helle Freude war. Der Applaus wollte kaum enden.

Von Michael Schäfer

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