Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Nächtlicher Liebesschmerz in der Aula der Uni Göttingen

Händel-Festspiele Nächtlicher Liebesschmerz in der Aula der Uni Göttingen

Manch einer hatte gerade schon rund zwei Stunden sitzend in der Stadthalle verbracht und der Mezzosopranistin Ann Hallenberg und Autorin Donna Leon gelauscht. Trotz dieser Tatsache und der späten Stunde ließ das Händel-Publikum am Pfingstsonntag die Künstler beim „FiF III“ mit dem Festspielensemble Göttingen (FEG) nicht ohne Zugabe ziehen.

Voriger Artikel
Händel-Festspiele: Orchester, Chor und Solisten begeistern mit „Theodora“
Nächster Artikel
Händel-Festspiele Göttingen: Dallas im antiken Rom

Glänzend aufgelegt: Das FEG bleibt durchgängig präzise.

Quelle: Heller

Göttingen. In der Aula der Universität brachten die Mitglieder des FEG, das 2006 zeitgleich mit dem Festspielorchester Göttingen gegründet wurde, zusammen mit der jungen Sopranistin Marie Jaermann unter anderem Werke von Monteverdi, Clérembault, Marais und natürlich Händel zu Gehör. Passend zum Festspielmotto standen auch hier die weiblichen Helden im Fokus, die unterschiedlich mit ihrem Liebesleid umgehen. Der größte Teil von Monteverdis Oper „L’Arianna“, die 1608 in Mantua uraufgeführt wurde, ist verschollen, das berühmte Lamento ist erhalten geblieben. Mit ihrem kraftvollen, strahlenden Sopran gelingt es Jaermann, die tiefe Trauer der von Theseus Verlassenen hör- und spürbar zu machen.
Die aus Lausanne stammende Jaermann ist eine der vier Sängerinnen und Sänger vom Ensemble AbChordis, dem Preisträger der diesjährigen Göttinger Reihe Historischer Musik. Sie brilliert ebenfalls als verlassene Medea mit „Vengeance“. Meisterhaft hat Clérembault Medeas Rachegelüste in seiner Kantate „Medée“ verarbeitet.

 
Das glänzend aufgelegte FEG begleitet den dramatischen Gesang Jaermanns und begeistert ebenso in den Instrumentalstücken durchgängig durch sein präzises Spiel:  mal leicht und federnd, mal kraftvoll und treibend. Besonders gut kommt Bachs „Adagio d-Moll“ (BWV 1052R), arrangiert für Violine (Elizabeth Blumenstock) und Basso Continuo, an. Vor dem Hintergrund einer Musik, in der der Bass traditionell eine ähnliche Funktion übernimmt wie in der heutigen Popmusik, wird der Zuhörer streckenweise wieder einmal daran erinnert, dass Barock so gar nicht von gestern ist.

 

Von Marie Varela

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff