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Zum Abschluss der Händel-Festspiele: „Seconda Prat!ca Ensemble“

Lächeln im Gesicht Zum Abschluss der Händel-Festspiele: „Seconda Prat!ca Ensemble“

Italien, Frankreich, Deutschland und England: Komponisten aus diesen Ländern prägen die Konzertprogramme Alter Musik. Aber welche Musik wurde im Barock in den außereuropäischen Kolonien komponiert?

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Stellten südamerikanische Barockmusik vor: die Musiker des „Seconda Prat!ca Ensembles“.

Quelle: Heller

Besenhausen. Das „Seconda Pra!ica Ensemble“ stellte am Pfingstmontag auf dem Rittergut Besenhausen die Musik des 17. Jahrhunderts in Südamerika vor – ein furioser Abschluss der diesjährigen Händel-Festspiele.

Das international besetzte Ensemble lud im ehemaligen Schafstall des Gutes zu einer Reise ein: Die neun jungen Absolventen der Konservatorien in Amsterdam und Den Haag zeigten, wie die europäische Kunstmusik nach Südamerika kam und wie dortige Komponisten sie weiterentwickelten und sie so zu einer weltweit relevanten Kunstform aufwerteten.

Unter der Leitung des Flötisten Nuno Atalaia stellten die fünf Instrumentalisten und vier Sänger spanische und südamerikanische Komponisten vor. Juan Blas de Castro und Domenico Zipoli schrieben ganz in der Tradition polyphoner europäischer Vokal- und Instrumentalmusik. Ihnen stellten die Musiker Werke anonymer Komponisten gegenüber, die der Volksmusik verbunden waren. Inspirierend war ein Werk von Juan Gutiérrez de Padilla, das kunstvoll europäische Barockmusik und südamerikanische Folklore verschmolz. Gegensätze und Gemeinsamkeiten zwischen Europa und Südamerika verdeutlichten die Musiker, als sie Werke Bernando Havestadts und Domenico Zipolis mit kurzen Stücken Georg Friedrich Händels direkt verbanden.

Die Instrumentalisten agierten auf Block-/Traversflöte, Violine, Gambe, Cembalo und Barock-Gitarre präzise. Die Stimmen der Sopranistin, Mezzosopranistin, Tenor und Bariton harmonierten perfekt. Die jungen Musiker musizierten mit einem Lächeln im Gesicht und begeisterten mit ihrem Enthusiasmus. Insbesondere Jonatan Alvarado steuerte auf der Gitarre folkloristische Klangfarben bei. Ergreifend war der versunkene Sologesang der Mezzosopranistin  Sophia Patsi in einem Auszug aus dem „Códex Zuola“.

Das Ensemble eröffnete mit der Auswahl der Kompositionen, dem gleichberechtigten Nebeneinander der Stile und ihren Moderationen den Zuhörern neuen Sichtweisen. Die Qualität der Kompositionen aus Südamerika regen dazu an, die vorherrschende eurozentristische Sicht in der klassischen Musik zu überwinden.

Das Publikum feierte jubelnd und mit stürmischem Applaus die erstmalig in Deutschland konzertierende Formation. Die Künstler bedankten sich bei ihren Gastgebern mit einer besonderen Zugabe: Die Sopranistin Sofia Pedro sang das Chanson „Göttingen“ der französischen Sängerin Barbara.

Von Udo Hinz

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