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Am Ende nur glückliche Paare

Händels Oper „Berenice“ in der Stadthalle Am Ende nur glückliche Paare

Zwei Frauen und drei Männer: Das verheißt Komplikationen. Davon gibt es in Händels Oper „Berenice“ eine Menge, aber dennoch ein Happy End. Sieben Solisten und das Orchester La Nuova Musica unter David Bates präsentierten das musikalisch grandiose Werk am Sonnabend konzertant in der Stadthalle.

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Händels Oper "Berenice": Mireille Asselin in der Titelrolle (Mitte) und Dirigent David Bates (rechts von ihr).

Quelle: Heller

Göttingen. Alessandro liebt Berenice, die ägyptische Königin. Doch soll er Berenices Schwester Selene heiraten. In die sind wiederum zwei andere Männer verliebt, Demetrio und Arsace. Überdies verlangt die Staatsräson mal diese, mal jene Verbindung – jedenfalls nie eine, die der tatsächlichen Gefühlslage entspricht.

Da kann allein die Tradition der Opera seria helfen, nach der im Finale nur glückliche Paare übrig bleiben dürfen: hier Berenice und Alessandro (das hätten sie doch gleich haben können), dort Selene und Demetrio. Arsace verzichtet großmütig. Schlusschor: „Denn in Freude, die uns so teuer, hat sich aller Streit um Politik und Liebe aufgelöst.“

Ein Menuett in Moll.Bis es so weit ist, hat Händel etliche diamantene Arien-Kostbarkeiten in diese krause Handlung eingestreut. So besingt der römische Botschafter Fabio die kluge Biene, bei der Vernunft vor Gefühl rangiert (woher weiß der denn das?) – was Händel zu einer bezaubernd sanft brummelnden musikalischen Malerei anregt („Vedi l’ape“).

Selene besingt in unendlich sanften Tönen ein trauriges Turteltäubchen („Tortorella“). Die Krone: Berenices Arie „Chi t’intende“, ein kapriziöses Wechselspiel zwischen Elend und Glück, wobei die Sängerin mit einer Solo-Oboe duettiert. Schöner geht’s nimmer.Dafür war der weich schmeichelnde, koloraturenfreudige Sopran von Mireille Asselin perfekt geeignet.

Dramatisch lebendige Akzente setzte Giuseppina Bridelli mit ihrem klangvollen Mezzosopran. Ihre beiden schmachtenden Bewunderer sind Coutertenor-Partien: Michal Czerniawski (Demetrio) mit seiner enorm virtuosen Stimme und, heller timbriert und sehr kultiviert, Raffaele Pe als Arsace.

Ein besonderer Genuss war der helle, geschmeidig schlanke Sopran von Anat Edri (Alessandro). Christopher Turner (Fabio) steuerte sehr markante Tenorarien bei, der Bassist Timothy Dickinson (Aristobolo) ergänzte das Ensemble zuverlässig.

Das spielfreudige Orchester La Nuova Musica glänzte mit einer anrührenden Pianissi­mokultur, und Dirigent David Bates gab klarere Impulse, als seine etwas ungefähr wirkenden Bewegungen zu verraten schienen. Am Ende nahmen alle Mitwirkenden ein ausgiebiges Bad im Beifall.Einen Mitschnitt der Aufführung sendet NDR Kultur am Sonntag, 12. Juni, um 22 Uhr.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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