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Vivaldi und die Baba Yaga

Händel-Festspiele Vivaldi und die Baba Yaga

Wenn das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) einmal im Jahr Quantz in seinem Geburtsort Scheden feiert, lacht die Sonne. So auch beim Konzert im Rahmen der Händel-Festspiele am Sonntag in der St.-Markus-Kirche mit Musik von Friedrich dem Großen, Vivaldi, Malipiero und Johann Joachim Quantz.

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Quelle: Schäfer

Scheden. Der komponierende Preußenkönig machte den Anfang mit einer galant-soliden, kurzweiligen Symphonie. Sie bildete die Ouvertüre für das h-Moll-Flötenkonzert von Quantz, dem Flötenlehrer Friedrichs. Solistin in diesem Konzert war Bettina Bormuth, die hochvirtuose Soloflötistin des GSO. Wunderschön, wie sie den warmen, sanften Ton ihres modernen Instruments blühen ließ und sich dabei dem weichen Klang der Traversflöte annäherte, für die dieses Konzert ursprünglich geschrieben ist.

Überhaupt hatte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller hier sein schlank besetztes Orchester auf historische Spielweise eingeschworen. In der Tat kann man auch auf modernen Instrumenten dem Originalklang der Musik des 18. Jahrhunderts nahe kommen, wie Mueller eingangs hervorhob: in „historisch informierter“ Spielweise, also mit transparenter Textur und mit wenig oder ganz ohne Vibrato der Streicher.

Dieser Spielweise stellte Mueller mit den „Vivaldiana“ von Gian Francesco Malipiero das Barock-Verständnis von 1952 gegenüber. Malipiero, damals mit der Edition der Vivaldi-Gesamtausgabe befasst, hat originale Konzertsätze Vivaldis in ein modernes Klanggewand gekleidet, der Musik mit acht Holzbläsern und zwei Hörnern neue Farben gegeben und dabei die musikalische Gefühlswelt sozusagen in Nahaufnahme vorgeführt. Ein spannender Kontrast, vom Orchester spielfreudig, ausdrucksvoll und nicht ohne Humor vorgeführt.

Der Schluss: Vivaldi original, die „Jahreszeiten“ mit der GSO-Konzertmeisterin Natalie Kundirenko als Solistin. Das war nirgends hochglanzpolierter Edel-Barock, sondern eine ungeheuer stürmische Reise durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter, hier und da mit sehr eigenwilligen Rubati der Solistin. Manchmal hatte es den Anschein, als habe sich mitten in der italienischen Barocklandschaft eine russische Baba Yaga versteckt, die mit ihren Hexenkünsten gehörig Feuer unter der Violine entfacht. Dementsprechend prasselte der Beifall in der ausverkauften Kirche.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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