Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Händel trifft Folk im Göttinger Irish Pub

Händel und irische Volksmusik? Händel trifft Folk im Göttinger Irish Pub

Wo liegt die Verbindung zwischen der klassischen Musik von Georg Friedrich Händel und irischer Volksmusik? Am Mittwoch Abend lag sie zwischen drei Vollblutmusikern im Irish Pub.

Der Flötist Brian Berryman.

Quelle: r

Göttingen. Brian Berryman, Cornelius Bode und Guido Plüschke schaffen es die Kneipe mit einem ganz anderen Publikum zu füllen als es sich sonst hier versammelt. Orchestermusiker und Klassikliebhaber mit Einstecktüchern sitzen auf den Barstühlen in der grün dekorierten Kulisse.

Berryman scheint sich auch ein wenig Unterstützung aus seinem Heimatland Kanada mitgebracht zu habe. Und natürlich dabei: ein kühles Guinness.

Die drei Musiker beginnen den Abend fast schon kabarettistisch. Händel? Damit scheinen Bode und Plüschke nicht viel anfangen zu können. Berryman spielt gestriegelt und voller Überzeugung die klassischen Töne Händels auf seiner Traversflöte an.

Die anderen zwei kann er damit allerdings nicht mitreißen. Aber sie steigen ein und schnell werden die Rhythmen zügiger und die Stimmung ausgelassener. Nach dem ersten Lied landet die Fliege auf dem Parkett, nach dem zweiten auch die Weste. Die unterschiedlichen musikalischen Herkünfte der drei Musiker bleiben den Abend über ein amüsanter Aufhänger.

Die Atmosphäre wechselt zwischen sanften Flötentönen und mitreißenden Folkarrangements. Darunter sind Stücke aus den schottischen Highlands, gälische Fischerlieder, bretonische Werke und was sich sonst noch so zwischen dem Stil des klassischen Komponisten und irischer Schunkelmusik einbauen lässt.

Das Publikum liebt diese Mischung. Da wird zwischen den Reihen getanzt, Kerzen geschwenkt und voller Enthusiasmus in die Saiten gehauen, sodass sogar eine davon an Bodes Gitarre reißt.

Beeindruckend ist vor allem die Vielfalt an Instrumenten, die zum Einsatz kommt. Plüschke spielt neben der angekündigten Rahmentrommel Bodhrán auch ein irisches Banjo und echte Rinderknochen. Den Neun-Achtel-Takt des Slip Jigs martert er dem Publikum nach dem Rhythmus der Städtenamen „Wuppertal, Bielefeld, Göttingen“ ins Hirn.

Die Musiker beweisen neben ihren herausragenden technischen Fähigkeiten (flinke Finger an den Saiten und beeindruckendes Vibrato auf der Flöte) auch Unterhaltungsgeist. Iren-Schotten-Witze und stilechtes Zuprosten mit dem gälischen „Sláinte“ runden den Abend ab. Zum Abschluss gibt es nicht nur begeisterten Applaus und Zugaben, sondern auch Rosen.

Von Leslie Wathsack

Die Milchbar im Nörgelbuff