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Premiere der Oper „Imeneo“ im Deutschen Theater

Händel-Festspiele Premiere der Oper „Imeneo“ im Deutschen Theater

Barocker geht’s nimmer. Händels „Imeneo“ hat am Freitag bei Kerzenbeleuchtung mit barocken Kostümen, barocker Gestik, in barocker Aufführungspraxis im Deutschen Theater (DT) Premiere gefeiert: der zweite Glanzpunkt der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2016.

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Tirinto (James Laing, rechts, dahinter ein Tänzer) muss befürchten, seine Geliebte zu verlieren.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Die Handlung der Oper: Tirinto liebt Rosmene. Als sie von Piraten geraubt wird, kann Imeneo sie befreien. Zum Lohn für die gute Tat erbittet er ausgerechnet Rosmenes Hand. Nun streiten zunächst Tirinto und Imeneo, wer von ihnen Rosmene erhalten soll. Dann schwankt Rosmene, wem sie den Vorzug geben soll. Imeneo ist der Glückliche, Tirinto muss verzichten. Moral: „Leid und Freude stehen nahe beieinander“.

Also richtig wie im Leben, auch wenn der Plot nicht eben atemlose Spannung garantiert. Doch Händel-Kenner wissen: Das ficht George Frideric nicht an. Der schreibt trotzdem atemberaubend schöne Musik. Dabei geht es zu wie im Schlaraffenland. Denn manchmal muss man erst Hirsebrei essen, bevor der Leckerbissen angeflogen kommt.

Überdies kann man dramaturgische Schwächen mit Sinnenlust überdecken. Das hat das Produktionsteam konsequent umgesetzt. Regisseurin Sigrid T’Hooft lässt ihr Ensemble mit feinster barocker Gestik agieren. Da spreizen sich die Finger hochelegant, der erhobene Arm signalisiert Abwehr, die zur Stirn gewendete Hand Trauer.

Ausstatter Stephan Dietrich ist für die stilechten Kulissen mit Säulen, Meerblick und Statuen verantwortlich, ebenso für die prächtigen barocken Kostüme. Und für das rechte Licht: Beleuchtet wird die Szenerie mit Kerzen.

Kerzen im Theater

Bevor es elektrische Beleuchtung gab, wurde Theater bei Kerzenlicht gespielt. Nicht mit Wachskerzen – die sind viel zu rasch heruntergebrannt – , sondern mit kleinen Zylindern mit Docht in Kerzenform, die in der „Imeneo“-Aufführung mit Paraffin gefüllt sind. Daneben wurde früher auch Rüböl als Brennstoff viel benutzt. Im Goethe-Theater Bad Lauchstädt sind solche Leuchter noch erhalten. Weil Kerzenlicht schwächer ist als das elektrische, sind die Darsteller kräftiger geschminkt.

Über der Bühne des Deutschen Theaters hängen neun sechsflammige Kronleuchter. Die Rampe ist mit einer in Richtung Publikum verdeckten Leuchterreihe bestückt. Wer vorn an der Rampe spielt, ist sichtbar heller beleuchtet. Der steht „im Rampenlicht“.

Was das Solistenensemble an Leckerbissen serviert, ist ein Hochgenuss. William Berger in der Titelrolle besitzt einen bemerkenswert kernigen, resonanzreichen Bariton und eine perfekte Stimmführung. James Laing ist sein Kontrahent Tirinto: ein sehr flexibler, ausgeglichener Countertenor, der nur im letzten Drittel des Premierenabends Spuren von Anstrengung zeigte.

Mit einem strahlend hohen, dabei immer samtweichen Sopran glänzt Anna Dennis als Rosmene. Bezaubernd sind die schwerelos zarten Töne der Sopranistin Stefanie True (Clomiri), Matthew Brook als ihr Vater Argenio steuert warm timbrierte Basstöne bei. Großartig auch der bundesweit gecastete neunköpfige Opernchor mit seinen kraftvollen, strahlenden Stimmen.

Weitere Termine

Weitere Aufführungen im DT, Theaterplatz 11: 10. Mai 15 Uhr, 12. und 13. Mai 19 Uhr, 14. Mai 14.30 Uhr, 16. Mai 16 Uhr.

Zusätzliche Augenfreude bereiten die Balletteinlagen mit den sechs Tänzerinnen und Tänzern des „Corpo Barocco“. Und die instrumentale Basis für die dreieinhalb Stunden Spielfreude bietet das prächtig disponierte Festspiel-Orchester Göttingen mit seinem transparent-virtuosen Spiel unter der immer wieder neue Spannkraft vermittelnden Leitung von Laurence Cummings. Nach drei Minuten 47,4 Sekunden Schlussbeifall hat NDR Kultur seine Live-Übertragung ausgeblendet. Aber der Applaus hat noch länger gedauert.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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