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Musik als lebendiger Organismus

Castello Consort in der Klosterkirche Reinhausen Musik als lebendiger Organismus

Zum zweiten Mal seit 2014 war die Klosterkirche Reinhausen Aufführungsort der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen: beim Konzert des niederländischen Castello Consort, spezialisiert auf die Musik des 17. Jahrhunderts. Sein Markenzeichen: Eines der Soloinstrumente ist die Barockposaune.

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Kultiviertes Zusammenspiel: Elise van der Wel, Henriëtte Wirth, Anne-Linde Visser und Matthijs van der Moolen (von links).

Quelle: Schäfer

Reinhausen. 2015 haben sich die vier Mitglieder des Ensembles – Posaunist Matthijs van der Moolen, Geigerin Elise van der Wel, Cellistin Anne-Linde Visser und Organistin Henriëtte Wirth – am Konservatorium Den Haag zusammengefunden. Seit Kurzem werden sie von „eeemerging“ gefördert, einer europäischen Institution, die eine kleine Auswahl vielversprechender junger Ensembles für Alte Musik im Rahmen des Creative Europe Programme der EU unterstützt.

Für seinen Auftritt in der gut besuchten Klosterkirche hatte das Castello Consort ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, bei dem beileibe nicht nur die Posaune herausgestellt wurde. Historisch lag der Schwerpunkt auf der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Musik von Dario Castello (1590-1659), dem Namensgeber des Ensembles, und seinen europäischen Zeitgenossen: Adam Jarzębski aus Polen, den Italienern Claudio Monteverdi, Giovanni Paolo Cima, Francesco Rognoni Taeggio, Giovanni Battista Riccio, Biagio Marini und P. A. Mariani. Rund 100 Jahre jünger ist Georg Friedrich Händel, dessen Sopranarie „Sit nomen Domini“ in instrumentalem Arrangement die erste Konzerthälfte beschloss.

Die vier Musiker bestechen durch ihr quicklebendiges, sehr kultiviertes Zusammenspiel. Sie überraschen mit einer Art barockem Rubato, also mit Freiheiten der Tempi, die gleichwohl nirgends den stilistischen Rahmen sprengen, sondern auf ganz natürliche Weise der Entwicklung des musikalischen Ausdrucks folgen. So atmet die Musik, wirkt wie ein lebendiger Organismus, der hier leidenschaftlich voranstürmt, dort besinnlich einhält. Ebenso atmend gestaltete van der Moolen seine stilsichere Posaunen-Improvisation über eine Gabrieli-Kantate.

Das alles ist gepaart mit einer hochvirtuosen Beherrschung der Instrumente, mit einer klugen Klangregie, die die motivischen Beziehungen der Partner unaufdringlich verdeutlicht. Für ihr bezwingendes Engagement wurden die Musiker lange und herzlich beklatscht, als Dank gab’s eine Zugabe. 

Von Michael Schäfer

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