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Überweltliche Schönheit

Händel-Festspiele: Galakonzert mit Dominique Labelle Überweltliche Schönheit

Dominique Labelle lotet die Seele aus: Ihr Gesang ist hoch emotional, er kann verzweifelt, glücklich, aufgewühlt oder beseelt klingen. Am Samstag begeisterte die Sängerin beim Galakonzert der Händel-Festspiele in der Göttinger Stadthalle - ein Abend, der dem 250. Todestag von Georg Philipp Telemann gewidmet war.

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Dominique Labelle

Quelle: r

Göttingen. Mit Telemann eröffnet das FestspielOrchester Göttingen unter der Leitung von Laurence Cummings das Konzert: Mit der Ouvertüre D-Dur führen die Musiker feierlich und mit dem strahlenden Klang eines Barockorchesters in den Abend. Anschließend begeistert Sopranistin Labelle bei Händels Arie "Come nembo che fugge col vento" mit hochvirtuosen Koloraturen - Musik an der Grenze des gesanglich Machbaren. 

Telemann blickt in seinem Spätwerk in die musikalisch sehr reizvolle Zeit der Frühklassik. Hier ist auch Carl Philipp Emanuel Bach stilistisch beheimatet. Von ihm präsentiert das Orchester die Sinfonie e-Moll. Vom ersten Ton an lassen die sehr engagierten Musiker das Suchen nach musikalischem Neuland spürbar werden. Das spannungsreiche Werk versprüht den Geist einer neuen Epoche. Dabei formt Laurence Cummings mit dem Orchester einen sehr präsenten, beschwingten und zugleich zarten Ensembleklang.

Der erste Teil des Konzerts klingt mit dem Schlaflied "O sleep, why dost thou leave me?" aus. Dominique Labelle singt die zeitlos schöne Melodie von Händel herzergreifend. Nur vom Basso continuo begleitet wirkt ihre Stimme noch magischer. Diese friedliche Stimmung setzt sich in Telemanns "Conclusion" e-Moll aus der Tafelmusik nach der Pause fort. Der weiche Klang der Traversflöten von Kate Clark und Brian Berryman  prägen das Stück. In schnellen Unisono-Passagen zeigen sie die verspielte Seite des Barocks.

Dann das Hauptwerk des Abends: Labelle hat den langen Atem für eine der größten Kantaten im Spätwerk Telemanns. Seine Solokantate "Ino" ist gesanglich und emotional äußerst herausfordernd. Die Sopranistin und Barock-Expertin geht erstmalig in ihrem Leben dieses dramatische Werk an. Aufgewühlt und mit innerer Spannung singt sie die Handlung aus der griechischen Mythologie: Ino stürzt sich mit ihrem Sohn auf der Flucht vor ihrem wahnsinnig gewordenen Gatten ins Meer, beide werden von den Nymphen gerettet und zu Götter erhoben - Happy End. 

Die Sopranistin lässt die Dramatik in den Arien mit jedem Ton spürbar werden und  meistert zugleich die anspruchsvollen erzählenden Passagen. Temperamentvoll verstärkt das Orchester die aufgeladene Stimmung. Erhebend ist der Moment in dem Ino in das Meer eintaucht: plötzlich machen friedlich klingenden Flöten und Violinen fühlbar, wie Ino und ihr Sohn von den Nymphen aufgefangen werden - hier scheint die Zeit stehen zu bleiben. Die Sängerin wendet zum Schluss die emotionale Stimmung. Ihr Gesang ist jetzt durchdrungen von Glück und Erhabenheit. 

Dominique Labelle verabschiedet sich für den begeisterten Applaus des Publikum und die vielen Bravo-Rufe mit der Zugabe "Lascia la spina", einer Arie aus dem frühen Händel-Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno". Die Sängerin singt diese wunderschöne, geradezu hymnische Melodie tief verinnerlicht, demütig und zutiefst beseelt - Musik von überweltlicher Schönheit.

Von Udo Hinz

Das Konzert wurde von NDR Kultur aufgezeichnet. Zu hören ist es am Sonntag, 18. Juni, um 11 Uhr.

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Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr