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Mit exquisiten Kostümen und kostbarer Musik

Händels frühe Oper „Lucio Cornelio Silla“ Mit exquisiten Kostümen und kostbarer Musik

Es bleibt nicht mehr viel Zeit für das Ziel, das sich die Händel-Festspiele für ihr hundertjähriges Jubiläum 2020 gesetzt haben, bis dahin alle Händel-Opern in Göttingen zu präsentieren. Drum gab es jetzt die zweite Händel-Oper bei den Festspielen 2017: „Lucio Cornelia Silla“.

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Händels Oper "Lucio Cornelio Silla": Anna Dennis als Metella (links) und Dmitry Sinkovsky in der Titelrolle.

Quelle: el

Göttingen. Dieses Stück um Machtspiele und erotische Verstrickungen im antiken Rom hat lange unaufgeführt in Bibliotheken geschlummert. 1990 wurde es erstmals nach Händels Tod in Paris präsentiert. In der gut gefüllten Stadthalle war eine halbszenische Aufführung mit dem Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothee Oberlinger zu erleben. Die Produktion hatte 2016 in Herne Premiere und ist für 2018 in Ludwigsburg angekündigt.

In Herne standen die Solisten in neutralem Schwarz an Notenpulten. Für Göttingen hatte die auf historische Aufführungspraxis spezialisierte Regisseurin Margit Legler eine halbszenische Inszenierung eingerichtet: zwar ganz ohne Kulisse und Requisiten, aber mit exquisiten barocken Kostümen (Johannes Ritter) und ausdrucksstarker Gestik.

Das fordert die Fantasie des Publikums heraus. So sollen laut Bühnenanweisung vier Gespenster herabschweben, ein Standbild des Titelhelden umkreisen und es in eine Zypresse, den Totenbaum, verwandeln. Wenn man aber davon nichts sieht, sondern nur den Satz hört: „Sieh, Tyrann, wie der Himmel dir mit Verderben droht“, dann muss man dies eben einfach nur glauben.

Das fällt leicht, wenn die Musik derart kostbar ist wie in dieser frühen Händel-Oper aus dem Jahr 1713. Was der Komponist für Zweitverwertungen ausnützte: zehn Stücke aus „Silla“ übernahm er in seine nächste Oper „Amadigi di Gaula“.

Ein hervorragend disponiertes Solistenensemble transportierte all diese Kostbarkeiten. Wobei der Countertenor Dmitry Sinkovsky zwar die musikalischen Anforderungen der Titelpartie tadellos meisterte, aber nur wenig darstellerische Nuancen bot. Deutlich mehr Abstufungen gab es bei Anna Dennis (Metella) mit ihrem bruchlos strahlenden Sopran, der in Göttingen bereits in den Händel-Opern „Siroe“ (2013) und „Imeneo“ (2016) glänzte.

Einen prächtig kernigen Alt besitzt Helena Rasker, ideal für die Männerrolle des Claudio. Die hell timbrierten Soprane von Liliya Gaysina (Flavia) und Stefanie True (Celia) setzten Glanzpunkte. Mit seinem schlanken, koloraturenfreudigen Countertenor beeindruckte Philipp Mathmann (Lepido) außerordentlich, auch wenn ihn das rasende Tempo in seiner Auftrittsarie hier und da ein wenig überforderte. Zuverlässig ergänzte Bariton Thomas Hansen (Il Dio) das Ensemble.

Den Vokalisten bot das Ensemble 1700 eine sehr lebendige, mit feinen solistischen Leistungen geschmückte instrumentale Basis. Dorothee Oberlinger zeigte am Dirigentenpult, wie genau sie die perfekte Atemführung melodischer Bögen kennt, was sie auch mit einem anmutigen Blockflötensolo unter Beweis stellte. Die begeisterten Zuhörer klatschten ausdauernd.

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