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Händel im Hochregallager

Konzert im Logistikzentrum Händel im Hochregallager

Barockmusik im Logistikzentrum hat die Berliner Perkussionistin Sabrina Ma am Mittwoch am Groner Siekanger 160 Zuhörern geboten. Neben Stücken von Georg Friedrich Händel erklangen während ihres Schlagzeug-Solo-Programms moderne Kompositionen von Iannis Xenakis und Bruno Giner.

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Sabrina Ma musste sie die Arme weit ausbreiten, um die verschiedenen Töne anspielen zu können.

Quelle: r

Wie „eine Festung“ sei das Distribo-Logistikzentrum gesichert, erklärte Distribo-Miteigentümer Peter Müller-Kronberg, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Zufall. Doch um einmal Händel dort zu spielen, wo 105 Mitarbeiter jährlich 420.000 Sendungen für die Firma Sartorius händelten, öffneten sie die Halle.

„Vier Stunden dauerte der Aufbau“, berichtete Distribo-Geschäftsleiter Holger Idzikowski. Arbeiter stellten im Bereich, wo sonst Staplerfahrer Lkws beladen, Stühle auf. Aus Dutzenden von Euro-Paletten zimmerten sie in der mehr als zehn Meter hohen Halle eine Bühne. Scheinwerfer tauchten das sich dahinter erhebende Hochregal in blaues Licht.

Auf einem Gabelstapler wurde die in London geborene und in Hongkong aufgewachsene Künstlerin hereingefahren. Auf einer Marimba, Südamerikas melodischem Schlaginstrument, spielte sie Stücke, die Händel einst für Tasteninstrumente geschrieben hatte. Ma transkribierte sie selbst. Eine Herausforderung! Statt der zehn Finger standen ihr nur vier Schlägel zur Verfügung. Beim Konzert musste sie die Arme weit ausbreiten, um die verschiedenen Töne anspielen zu können.

Runder und weicher als auf einem Cembalo klangen die Stücke, darunter Prélude e Capriccio G-Dur (HWV 571). Die Akustik in der Halle war großartig. Bei den Fugen, Nr 1 g-Moll (HWV 605), Nr. 2 G-Dur (HWV 606) und Nr. 3 B-Dur (HWV 607), hörte sich die Marimba teilweise wie eine Orgel an. Ma spielte zudem die weniger bekannte Suite d-Moll (HWV 447) und die Sonata (Fantasie) pour le Clavevin (HWV 577).

Dazwischen erklangen moderne Kompositionen, die Ma auf dem Schlagzeug spielte. Von Iannis Xenakis (1922-2001) gab es Psappha pour percussion solo (1975) zu hören. Der Architekt griechischer Abstammung, dessen Musik von seinem Interesse an Mathematik geprägt ist, hat das fugenartig strukturierte Stück 1975 für ein Bachfestival geschrieben. Ma verwendete unter anderem Kuhglocken.

Von Bruno Giner (Jahrgang 1960), der selbst Schlagzeuger ist, gab es Étude de Peaux No. 2, einen Satz für fünf Tom-Toms, zu hören. Ma begann das Stück mit einem furiosen Spiel, das an japanisches Taiko-Trommeln erinnerte. Später wurde sie sehr leise, berührte die Trommeln nur noch leicht mit den Fingerspitzen. Zum Ende hin verwendete sie einen Flummi. Der Gummiball ließ die Trommeln wie einen surrenden Motor klingen.

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