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Gesammelte Geräusche deutscher Städte

Klangzug Sounding D Gesammelte Geräusche deutscher Städte

Ungewohnte Töne klingen über Gleis 11 des Göttinger Bahnhofs: eine Querflötistin entlockt ihrem Instrument höchste Töne, am hinteren Ende des Bahnsteigs improvisieren ein Schlagzeuger, ein Bassist und ein Saxophonist, weiter vorn klingen die verzerrten Riffs einer Gitarre.

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Kopfhörer überall: Informieren im Klangzug.

Quelle: Pförtner

Zehn Mitglieder der Göttinger Initiative Shopping Music begrüßen so den Klangzug des Projektes Sounding D, der am Montag in Göttingen Station machte. 15 Projekte im Bundesgebiet zum Thema Neue Musik verbindet der Zug noch bis zum 12. September. In Göttingen ist dieser Tag eingebettet in das Linien Festival in der Lokhalle. Neue Musik – dieser Begriff steht für eine Vielzahl musikalischer Richtungen und Stile der zeitgenössischen Kunstmusik, für das stetige Erkunden neuer Ausdrucksmöglichkeiten. Für die Präsentation solcher Hörerfahrungen habe man etwas „ganz Einfaches“ gesucht, erklärt Bojan Budisavljevic, künstlerischer Leiter des Projektes. Gefunden habe man das mit dem Zug, eine Klanginstallation des Komponisten Robin Minard. Unterwegs werden die Sounds der Städte gesammelt, verarbeitet und neu-komponiert ins Wagoninnere und ins Internet projiziert.

Der Klangzug bietet dem Besucher verschiedene Möglichkeiten: Hörführungen, eine Klanginstallation und Hör­erlebnisse in Abteilen mit speziell präparierten Sitzen, in denen man mit Ellenbogen und Händen hören kann. Bei der Hörführung geht es verbunden mit dem Aufnahmegerät und bewaffnet mit zwei großen Mikrophonen durch den Bahnhof und das angrenzende Gelände. Ungewöhnliche Geräusche, die sonst nicht wahrgenommen werden, die sonst im allgemeien Lärmteppich verborgen bleiben, kommen auf einmal in den Vordergrund. Die Mikrophone wählen aus, halten quasi den Kopf der Zuhörer auf bestimmte Geräusche. Das Brummen einer Kühltheke, das Knistern von Brötchentütchen gehören genauso zu diesen Hörerlebnissen aus anderer Perspektive wie das Geräusch, das Hundepfoten auf glatten Steinfliesen hinterlassen sowie das gurgelnde Ablaufen des Wassers auf dem Bahnhofsvorplatz.

Zurückgekehrt am Zug laden verschiedene Hörpunkte ein, sich die Geräusche anderer Städte anzuhören. Wer mag, kann die Göttinger Hörpunkte zu einem eigenen neuen Ort vermischen. Jeweils drei dieser Töne werden gemischt, mal lauter, mal leiser. Während drei junge Männer eher das Rauschen des Leinekanals in den Vordergrund wählen, bevorzugt ein älterer Herr den Klang des Botanischen Gartens.

Vor dem Eingang der Installation „Outside In (Blue)“ von Robin Minard muss der Besucher zunächst Pantoffeln überstreifen, schließlich sollen keine klappernden Absätze den Sound stören. Drinnen empfangen einen aus dem 24-kanaligen Lautsprechersystem Klänge aus Schlüsselwerken der Neuen Musik, vermischt mit den Sounds der Städte. Möwengeschrei lässt Kiel vor dem inneren Auge erscheinen, Gesprächsfetzen harmonieren mit elektronischen Sounds.

Der Klangzug "Sounding D" hat am Göttinger Bahnhof Station gemacht. Musiker der Initiative Shopping Music spielten auf dem Bahnsteig.

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