Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
24. Göttinger Literaturherbst: Günter Wallraff zu Gast in Göttingen

Unbeugsamer Kämpfer 24. Göttinger Literaturherbst: Günter Wallraff zu Gast in Göttingen

Das Wort wallraffing hat es in einigen Ländern Europas in den offiziellen Wortschatz geschafft. Es beschreibt die Methode des Kölner Journalisten Günter Wallraff, investigativ zu recherchieren. Am Sonnabend war er beim Literaturherbst zu Gast in der Aula der Universität.

Voriger Artikel
"Alle Farben Rot" beim Göttinger Literaturherbst
Nächster Artikel
Silvio Blatter liest in der Kunsthalle HGN

Günter Wallraff im Gespräch mit Nicole Mayer-Ahuja.

Quelle: Vetter

Göttingen. Wallraff ist bekannt geworden durch seine Reportagen vor allem über die Bildzeitung und über seine Erlebnisse als türkischer Gastarbeiter Ali. Unter falscher Identität nimmt er Jobs an und berichtet anschließend über Missstände, die er selbst erlebte oder erdulden musste. Verklagt wurde er dafür häufig, doch meist gewann er die Prozesse. „Wenn es um gravierende Missstände geht, dürfen auch Informationen veröffentlicht werden, die erschlichen wurden.“ Das hätten ihm Gerichte bescheinigt, erzählte Wallraff im Gespräch mit der Göttinger Soziologin Nicole Mayer-Ahuja.

Wallraff gab sich an diesem Abend als unbeugsamer und kompromissloser Kämpfer gegen jedes Unrecht. Er sei ein schlechter Schüler gewesen, habe nie studiert. Immer sei er Außenseiter gewesen. In Griechenland habe man ihn gefoltert, als er dort gegen das faschistische Regime protestiert habe. Bevor er als Gastarbeiter Ali in einem Werk am Fließband gearbeitet habe, sei er ein durchtrainierter Marathonläufer gewesen, der sich für die Deutsche Meisterschaft habe qualifizieren können.

Danach sei er froh gewesen, 20 Minuten am Stück laufen zu können. Wallraff: „Wenn ich mich auf ein Thema einlasse, dann schone ich mich auch nicht.“  „Ich bin im unteren Kloakenbereich tätig“, sagt er gegen Ende der 90-minütigen Selbstdarstellung, „sie in der oberen, wo das Wasser schon geklärt ist“, beschreibt er schließlich kernig den Unterschied seiner Arbeitsweise der teilnehmenden Beobachtung zu der gleichgearteten Methodik der Soziologen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff