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4. Komische Nacht: Comedy und Kabarett in Göttingen und Rosdorf

Göttingen – eine Pilgerstätte 4. Komische Nacht: Comedy und Kabarett in Göttingen und Rosdorf

„Sie haben die Möglichkeit, sich heute Abend noch als gutes Publikum zu outen. Und Sie haben auch die Auswahl an Künstlern“, eröffnet Axel Pätz seine Show. Der Kabarettist ist einer der sieben Comedians und Kabarettisten, die bei der vierten Komischen Nacht auf sieben Bühnen in Göttingen und Rosdorf gestanden haben.

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Comedian Axel Pätz in Monro's Park.

Quelle: Pförtner

Göttingen. 25 Minuten dauert eine Show, dann wechseln die Künstler das Lokal. Fünf Auftritte bekommt jedes Publikum. „Einen Querschnitt der aktuellen Comedyszene in Deutschland“ will die Kulturagentur Mitunskannmanreden den Besuchern des Comedy-Marathons präsentieren. Im Monro᾽s Park ist Pätz der erste auf der Bühne. Hier ist die Veranstaltung ausverkauft.

Als Shooting-Star der deutschen Kabarettszene schicken die Macher der Komischen Nacht den mit zahlreichen Kabarett- und Kleinkunstpreisen ausgezeichneten Pätz ins Rennen. Der Mann mit dem Akkordeon und dem lockeren Mundwerk bringt das Publikum fast aus dem Stand auf Temperatur. Erst frotzelt er bissig über das Niveau der Bildung in Deutschland, dann über seinen eigenen Gesundheitszustand („auch ein trauriges Thema“). Die von ihm erfundene „Notentriegelung“ von Liedern, bei der er „alle Silben auf dieselbe Note auf Häufchen sortiert“, sorgt für ausgelassene Stimmung, sein Lied über das ausschweifende Nachtleben der „Generation-Ü-80“ für großes Gelächter.

Culture-Clash-Comedy ist mit Serhat Dogan angesagt, der kurzfristig für den erkrankten Chris Tall einspringt. Mit trockenem Humor gibt er den Unbedarften und liest aus seinem Tagebuch vor. Staunend erlebt Dogan die kulturellen Unterschiede: In Deutschland halten Autos an Zebrastreifen und roten Ampeln, in der Türkei wäre man als Fußgänger da schon im Krankenhaus. Und wenn man sich in München ein Bier bestellt, bekommt man ein Glas „groß wie ein Aquarium“.

„Für mich ist Göttingen natürlich eine Pilgerstätte, weil hier Herbert Grönemeyer geboren wurde“, bekennt „Ruhrpott-Banderas“ Helmut Sanftenschneider. Der langjährige Bühnenpartner von Comedian Johann König lässt sich von Zuschauern mit mitgebrachten BHs bewerfen und feiern. Ansonsten verbindet der studierte Flamenco-Gitarrist herrlich komisch spanische Leidenschaft und gediegenen Ruhrgebietshumor.

Ethno-Comedy mit provokanten Tönen bringt Ususmango auf die Bühne. Sarkastisch spielt der Aachener mit Klischees. Alltäglichen Rassismus bringt er klar auf den Punkt. Er habe auch zwei deutsche Freunde – „meinen Steuerberater und meinen Anwalt“. Auch sein Blickwinkel auf die gesamte Spezies ist interessant. „Menschen sind alle verrückt nach Vierecken“, lässt Ususmango einen Alien den menschlichen Alltag mit Handys, Betten, Türen und Computern nüchtern zusammenfassen.

Archie Clapp, der in Gillersheim aufgewachsen ist und jetzt in Berlin-Neukölln lebt, gibt die Richtung klar vor: „Archie wird abgeleitet von Anarchie“. Ein Hund namens „Knoblauchfresser“, teuer bezahlte Kunst, die „für‘n Ars ist“ und ein Neo-Nazi mit Muskelzerrung im Arm: Clapps Mischung aus Witz und Zauberei („Illusion für Kinder und Besoffene“) kommt frontal und frech daher.

Weitere Künstler, die bei der Komischen Nacht mitmachen, sind die Comedians Peter Löhmann und Don Clarke. Insgesamt ein sehr witziger Abend mit wunderbar unterschiedlichen Stilen und Facetten des Humors.

Von Karola Hoffmann

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