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Alina Bronsky liest beim Göttinger Literaturherbst aus „Baba Dunjas letzte Liebe“

„Überall ist Leben“ Alina Bronsky liest beim Göttinger Literaturherbst aus „Baba Dunjas letzte Liebe“

Die Schriftstellerin Alina Bronsky hat beim Göttinger Literaturherbst im Alten Rathaus ihren neuen Roman „Baba Dunjas letzte Liebe“ vorgestellt. Der Moderator Alexander Solloch sprach mit ihr über die Hauptfigur Baba Dunja, die als erste Bewohnerin in das verlassene Dorf Tschernowo, nahe dem Reaktor in Tschernobyl, zurückzieht. Bronsky erzählt in ihrem Roman von dem Leben in der Gefahrenzone. Sie habe die Frage beschäftigt, was Menschen dazu bringen kann, an diesen Ort zurückzukehren.

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Alina Bronsky

Quelle: CR

Göttingen. Wie auch ihre anderen Romane, ist das Buch aus der Sicht einer Frau geschrieben. „Ich kann mich in die andere Sicht nicht so einfühlen. Da würde ich lieber zuhören“, sagt Bronsky auf die Frage, weshalb sie immer aus der weiblichen Perspektive schreibe. Diesmal hat sie sich an eine Figur gewagt, die mehr als doppelt so alt ist wie sie selber. Ihre Baba Dunja ist alt und weise. „Sie hat eine Coolness und Gelassenheit. Baba Dunja ist in einem Alter, in dem man sich nicht ständig bewerten lassen muss“, erklärt die in Russland geborene Autorin.

Bronsky antwortet im Gespräch immer nachdenklich und gut sortiert. Weder beim Lesen noch beim Sprechen gerät sie ins Stocken. Ihre Ernsthaftigkeit wird hin und wieder durch ein Lächeln oder einen kleinen Witz aufgelockert. Über das zurückgezogene Leben der wenigen Rückkehrer nach Tschernobyl sagt Bronsky: „Einen totalen Rückzug kann es nicht geben. Wo Menschen sind, da entstehen immer soziale Bindungen. Überall ist Leben.“

Im Vergleich zu Rosalind aus ihrem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ ist Baba Dunja eine „ungluckenhafte Mutter“. „Die russischen Mütter mögen mir verzeihen, aber es gibt bei ihnen doch eine Tendenz, ihre Kinder nicht loslassen zu können und sich selber viel Bedeutung beizumessen“, meint die Bronsky, die selber vierfache Mutter ist.

Die Lesung war unterhaltsam und hat Lust gemacht, mehr von dieser Autorin zu lesen, die keine typischen Frauenromane schreibt, nur weil ihre Geschichten immer von Frauenschicksalen handeln. Alina Bronsky seziert die soziale Intelligenz ihrer Romanfiguren, die, ebenfalls mit einer besonderen Beobachtungsgabe ausgestattet, ihre Umwelt manchmal unfreiwillig komisch beschreiben.

Von Jorid Engler

Alina Bronsky: „Baba Dunjas letzte Liebe“, Kiepenheuer & Witsch, 160 Seiten, 16,00 Euro.

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