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"Alle Farben Rot" beim Göttinger Literaturherbst

Indonesien und seine Geschichte "Alle Farben Rot" beim Göttinger Literaturherbst

Ihren ersten Roman hat die indonesische Schriftstellerin und Journalistin Laksmi Pamuntjak am Sonnabend beim Göttinger Literaturherbst vorgestellt. Auf Indonesisch, Englisch und Deutsch ging es um "Alle Farben Rot", der die Trennung eines Paares beschreibt und damit auch die Folgen der Kommunistenverfolgung in Indonesien.

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Quelle: Brünjes

Göttingen. Warum die Farbe Rot, lautet eine Frage aus dem Publikum am Ende der eineinhalbstündigen Buchvorstellung im Saal des Goethe-Instituts. "Es ist die Farbe des Kommunismus in allen seinen Schattierungen. Und es ist auch die Farbe des Blutes", antwortet Pamuntjak. Als Journalistin und Lyrikerin hat sich die 1971 geborene Autorin in ihrer Heimat bereits einen Namen gemacht. Mit "Amba", so der Name der Hauptfigur und der indonesischen Fassung des Romans, machte Pamuntjak die Gefangeneninsel Buru erstmals zum Thema eines Buches und ging damit auf eine neue Weise auf die Kommunistenverfolgung zur Zeit der Militärdiktatur von 1965 bis 1998 unter General Suharto ein. 

Auf Buru war Bhisma inhaftiert. Seine Briefe erhält Amba erst nach seinem Tod. Bhisma beschreibt das Leben auf Buru und seine Sorge, dass sie sich nie wiedersehen werden. "Die Briefe geben sehr schön die Denkart der Menschen in diesem Roman wieder", erläuterte bei der Lesung Moderator Fritz Schulze, Professor für Arabistik und Indonesien-Kenner, seine Wahl für drei Texte, die Schauspielerin Eva Schröer las.

Auf Indonesisch hatte zuvor Pamuntjak gelesen. Später erzählte sie auf Englisch davon, weshalb Deutschland in ihrem Roman eine Rolle spielt: Ihr Vater hat unter anderem in Berlin studiert und seine Geschichte findet sich in der Beschreibung von  Bhismas Studentenzeit wieder.  

Seit 1998, dem Ende der Suharto-Diktatur, wachse in ihrem Land die Bereitschaft, "Tabus zu brechen und über die Geschichte zu schreiben", so Pamuntjak. Gleich 1998 habe Ayu Utami damit begonnen. "Indonesien hat fantastische Schriftsteller. Viele von ihnen kommen zur Frankfurter Buchmesse. Kommen Sie nach Frankfurt, um sie kennenzulernen", forderte Pamuntjak ihre etwa 60 Zuhörer auf. 

Indonesien ist in diesem Jahr Partnerland der Frankfurter Buchmesse. Das Land besteht aus 17508 Inseln, die sich über eine Distanz ausdehnen, die der von London nach Moskau entspricht, berichtete Pamuntjak. "Dazu kommt die Existenz von etwa 700 regionalen Sprachen und entsprechende regionale Literatur." In "Alle Farben Rot" verdeutlicht Pamuntjak auch die Unterschiede der indonesischen Gesellschaft, vor allem aber die Zeit von 1965 bis 2006 und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart. 

Laksmi Pamuntjak: "Alle Farben Rot". Ullstein-Verlag, 672 Seiten, 24 Euro.

Foto: Brünjes

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