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Doris Dörrie spricht über Vorbilder, Vampirismus und Schreiben als Handwerk

„Es ist mühsam“ Doris Dörrie spricht über Vorbilder, Vampirismus und Schreiben als Handwerk

Doris Dörrie erinnert sich noch gut an das Deutsche Theater (DT). Das erzählt sie zu Beginn ihrer Literaturherbst-Lesung. Vor sechs Jahren inszenierte sie dort die Oper „Admeto“ bei den  Händel-Festspielen – mit japanischen Einflüssen. Nun war sie im Deutschen Theater mit ihrem neuen Roman „Diebe und Vampire“ zu Gast.

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Doris Dörrie

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Ihre Liebe zu Japan besteht weiterhin. Im Gespräch mit Christoph Bungartz erzählt die Autorin und Regisseurin, dass sie gerade in Fukushima einen Film gedreht hat („Grüße aus Fukushima“).

Jeden Tag sei sie an dem Ort der nuklearen Katastrophe mit dem Geigerzähler unterwegs gewesen. „Beim Filmen setze ich mich extrem mit der Realität auseinander“, sagt Dörrie, wohingegen man beim Schreiben doch sehr in Parallelwelten abdrifte und man als Schreibende auf seine Umwelt oft „asozial“ oder „unleidlich“ wirke.

Wie kein anderes Werk der gebürtigen Hannoveranerin thematisiert „Diebe und Vampire“ den Beruf des Schriftstellers und das Schreiben an sich. „Klauen und Blutsaugen“, das sei eine passende Jobbeschreibung des Schriftstellers, so Dörrie lachend. Von Schriftstellern könne man sich benutzt und verraten fühlen. Auch ihre junge Protagonistin Alice macht ihre Erfahrungen mit einer von ihr verehrten Schriftstellerin, die sie sich zur Meisterin auserkoren hat.

Denn sie wünscht sich nichts sehnlicher als selbst Autorin zu werden. Allerdings verbirgt sich hinter der makellosen Fassade der Disziplin und Souveränität der Meisterin eine im Privaten gescheiterte Frau. Überraschenderweise wird die ziemlich haltlos und wenig ambitioniert wirkende Alice viele Jahre und Männer später tatsächlich zur Bestsellerautorin – mit einem Ratgeber gegen Schreibblockaden. Ironischerweise kann sie sich damit aber selbst nicht therapieren.

Dörrie, die in München den Lehrstuhl für „Creative Writing“ inne hat, plädiert in ihrem Roman und auch im Gespräch dafür, dass man Schreiben lernen könne. Wie jeder Muskel wolle der Schreibmuskel regelmäßig trainiert werden. Schreiben sei mühsam, und immer habe man Zweifel, so ihr ernüchternder Einblick ins Künstlerleben. Für diese Selbstoffenbarungen und ihren Humor belohnt sie das Göttinger Publikum mit langanhaltendem und herzlichem Applaus.

Von Marie Varela

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