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Feridun Zaimoglu stellt beim Literaturherbst seinen neuen Roman „Siebentürmeviertel“ vor

Heimatliebe Feridun Zaimoglu stellt beim Literaturherbst seinen neuen Roman „Siebentürmeviertel“ vor

„Ich wollte nicht die literarisch  bekannten Viertel Istanbuls noch einmal aufarbeiten.“ Feridun Zaimoglu hat sich für seinen neuen Roman  ein Armeleuteviertel ausgesucht, einen Schmelztiegel für Ethnien, Religionsgemeinschaften, Verfolgte und Flüchtlinge. Über „Siebentürmeviertel“ sprach er beim Literaturherbst.

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Liest mit sanfter Stimme: der Schriftsteller Feridun Zaimoglu.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Mit erstaunlich sanfter Stimme liest Zaimoglu aus dem Anfang des Buches. Mit seiner rechten Hand dirigiert er dabei fortwährend den sehr poetischen Text. In der anderen Hand bleibt das Glas Wasser, aus dem er immer wieder kleine Schlucke nimmt. Kurz sind diese Passagen, geben nur einen ersten Eindruck vom starken, eigenwilligen Rhythmus des Textes.

Zaimoglu schreibt über das Siebentürmeviertel aus der Perspektive des kleinen Jungen Wolf, der mit seinem Vater in den 1930er-Jahren nach Istanbul kommt. Der Vater musste vor der Gestapo fliehen. Bei Abdullah Bey und Baka Hakim kommen sie unter. Die Perspektive dieses Kindes ohne Mutter habe er gewollt. „Die Welt strömt in ihn hinein“, so Zaimoglu. Die Spannungen, Gerüche, Gerichte, die Hymnen, die Kunst der Anrufung des Gottes, all das nimmt Wolf auf. „Er kann nicht fernbleiben wie sein Vater, er ist schon mutterseelenallein“, sagt Zaimoglu.

„Ich wusste, dass in den 30er-Jahren ungefähr 1500 deutsche nach Istanbul kamen, in die junge türkische Republik.“ Vieles hat der Autor, der 1964, wenige Monate alt, nach Deutschland kam, in Istanbul im Stadtarchiv recherchiert. Seine wichtigste Quelle aber war sein Vater,  „ein geborener Siebentürmeviertler“. Zwei Wochen lang habe er seinen Vater von dem Viertel erzählen lassen, alles auf Tonband aufgenommen und dann übersetzt.

Wolf muss sich durchsetzen, durchschlagen. Das Buch ist auch brutal, so Trilcke, ständig werden die Messer gewetzt. „Hinter dem Schleier der Rechtschaffenheit ist ein Panorama der Gewalt“, erklärt Zaimoglu. Ein gärendes Milieu. Größtenteils sei es ein Nebeneinander der Menschen gewesen, Religion war Privatsache, die Armut der Kitt. 15 Jahre war das möglich. Über diese Zeitspanne begleitet der Roman Wolf. Von Integration am Ende dieser Jahre mag Zaimoglu nicht reden. „Ein Wort aus dem Soziologie-Seminar.“ Wolf liebt  sein Viertel mit all diesen Widersprüchen, sein Herz schlägt dafür. Heimatliebe, das ist Zaimoglus Wort.

Natürlich spielt die aktuelle Situation in Deutschland mit den vielen Flüchtlingen am Ende der Lesung eine Rolle. Schwierig. Zaimoglu warnt vor Hysterie auf beiden Seiten. Es sei nicht nur ein glänzendes Panorama, es seien auch ein Haufen Probleme entstanden, mit denen die Menschen nicht alleingelassen werden dürfen.

 

 

BU: Liest mit sanfter Stimme: der Schriftsteller Feridun Zaimoglu.   BU: Theodoro da Silva

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