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Respektlos aus Tradition

Ausstellung "Caricatures" in Hannover Respektlos aus Tradition

Das hat es in der Geschichte des Hauses noch nicht gegeben: Schwer bewaffnete Polizisten sichern das Wilhelm-Busch-Museum, die Ausstellung „Caricatures“ geht unter Polizeischutz über die Bühne. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, versichert Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow.

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Mit spitzer Feder gezeichnet: Eduard-VII.-Karikatur von 1901.

Quelle: r

Hannover. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter und die Besucher ein Gefühl der Sicherheit haben“, so Vetter-Liebenow.

Ausstellung widmet sich französischen Karikaturen

Die Ausstellung widmet sich französischen Karikaturen. Zu sehen sind mehr als 200 Werke aus fünf Jahrhunderten – und eben auch einige Zeichnungen aus „Charlie Hebdo“, jenem Satireblatt, das im Januar 2015 Ziel eines islamistischen Anschlags wurde. Die gezeigten Bilder sind eher religions- als islamkritisch: Der ermordete Karikaturist Charb hat nicht nur Politiker wie Merkel und Sarkozy gezeichnet, sondern auch Papst Benedikt XVI. bei einer „wunderbaren Rattenvermehrung“ – eine Anspielung darauf, dass der Pontifex durch sein ungeschicktes Agieren einst Holocaust-Leugner der erzkonservativen Piusbruderschaft rehabilitierte. Charbs Eltern haben die Bilder für die Ausstellung in Hannover zusammengestellt.

Die Schau zeigt, in welcher Tradition „Charlie Hebdo“ steht: Schon 1622 zeichnete Jacques Callot zerlumpte Bettler, um soziale Missstände anzuprangern. Napoleon oder der „Bürgerkönig“ Louis-Philippe wurden später ebenso Ziel spöttischer Zeichnungen wie Bismarck, der in einer Karikatur halbnackt auf einer Boule-Kugel balanciert und um (politisches) Gleichgewicht ringt.

Lange, erläuternde Texte

Um die alten Zeichnungen auf Anhieb verstehen zu können, ist ein abgeschlossenes Geschichtsstudium mit Schwerpunkt auf französischer Historie unumgänglich. Alternativ kämpft man sich durch lange, erläuternde Texte. Die Bilder wirken dann so amüsant wie ein erklärter Witz. Dennoch zeigt die Schau: In Frankreich hatten Bilder immer einen höheren Stellenwert als in Deutschland, wo Debatten vor allem durch Worte ihre Schärfe bekamen.

Dabei ist es ein Mythos, dass es im freiheitsliebenden Frankreich stets besonders liberal zuging: Im 19. Jahrhundert gab es dort eine teils rigide Zensur. Honoré Daumier kam wegen seiner Bilder ein halbes Jahr hinter Gitter. Erst 1881 erhielt Frankreich ein liberales Pressegesetz. Noch 1901 löste ein Satireblatt einen diplomatischen Skandal aus: Es zeigte England als Frauengestalt – und ihren entblößten Hintern zierten die Züge von König Eduard VII. Die internationalen Verwicklungen, die folgten, erinnern an den aktuellen Fall Böhmermann-Erdogan. Damals endete der Prozess mit einem Freispruch.

Skandalbild von heute

Ein Skandalbild von heute ist auch zu sehen: Zeichner Riss malte für „Charlie Hebdo“ den dreijährigen Flüchtlingsjungen Aylan, der ertrunken am Strand liegt. Daneben eine Fastfood-Werbung: „Zwei Kindermenüs zum Preis von einem“. Es gehört auch zur Meinungsfreiheit, das geschmacklos finden zu dürfen.

Bis 6. November dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr im Wilhelm-Busch-Museum, Georgengarten in Hannover.

Zum französischen Nationalfeiertag gibt es am 14. Juli von 18 bis 22 Uhr ein Familienfest mit Feuerwerk.

Von Simon Benne

Gelehrter als Comic-Held

Die Kabinettausstellung im Wilhelm-Busch-Museum „Leibnix“ zeigt Hannovers größten Gelehrten als Comichelden: Die Heftreihe „Mosaik“, im Osten so bekannt wie „Asterix“ im Westen, machte Leibniz zwischen 2009 und 2011 zum Star mehrerer Abenteuer. Unter anderem liegt er sich mit Newton in den Haaren und lustwandelt durch Herrenhausen. Die liebevoll illustrierten Storys sind unterhaltsam – und von großer Präzision bei historischen Details. „Leibnix“ zeigt 40 Originale aus der Berliner „Mosaik“-Redaktion. „Leibniz brachte sich selbst Latein bei, indem er illustrierte Bücher las“, sagt Kurator Georg Ruppelt: „Er erschloss sich dabei Wörter über Bilder.“ So gesehen ist er bei Comic-Machern in guten Händen. „Leibnix“ läuft bis zum 30. Oktober. be

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