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„Das Löwenmädchen“ – Schönheit unterm Fell

Kino „Das Löwenmädchen“ – Schönheit unterm Fell

Menschen mit Hypertrichose haben eine Fellbehaarung. Die norwegische Regisseurin Vibeke Idsoe erzählt in „Das Löwenmädchen“ (Kinostart am 14. September) die Geschichte eines Kindes, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dieser Fehlbildung heranwächst und mehr sein will als eine Jahrmarktsattraktion.

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Kämpft für ein normales Leben: Eva (Mathilde Thomine Storm), das „Löwenmädchen“.

Quelle: NFP

Hannover. „Das Löwenmädchen“ – das klingt nach Marvels bunten Mutanten. In Vibeke Idsøes Film geht es aber um einen Menschen, der an Hypertrichose leidet, einem genetischen Defekt, der eine Ganzkörperbehaarung zur Folge hat. Bekanntester Fall mit diesem Symptom ist bis heute Tognina Gonsalvus, das „Affenmädchen“. Sie gehörte Ende des 16. Jahrhunderts zum Hofstaat Heinrichs II. und wurde am französischen Hof wie eine Puppe ausstaffiert.

Man hätte gern tiefer in die Heldin hineingeblickt

Die Schaulust auf die Kuriosität Mensch ist ebenso Thema in Idsøes Verfilmung eines Romans von Erik Fosnes Hansen wie die Scham des Bahnhofsvorstehers Gustaf über die Schande, die da 1912 mit der Geburt der kleinen Eva über seine Familie kommt. Rolf Lassgard („Wallander“) ist der Vater, der schließlich doch noch väterliche Gefühle entwickelt. Connie Nielsen spielt eine attraktive Frau von Welt, die gut reden hat, wenn sie gegenüber Eva die äußere Schönheit in Zweifel zieht und vorgeblich der Seele den Vorrang gibt. Evas Seele lernen wir indes kaum kennen. Man hätte gern tiefer in das „Löwenmädchen“ hineingeblickt, das in den Kapiteln des Films von drei Schauspielerinnen gespielt wird.

Der Film bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dramatische Höhepunkte im Leben der Heldin werden zu schnell abgehandelt, während die Kamera wie gelähmt auf Nebensächlichem verharrt. Zu viel Zeit wird auf den Vater verwendet, die der Hauptfigur dann fehlt, überdies läuft die Handlung nie ins Feld der Überraschungen. Ein Film auf Nummer sicher, der sich zu oft an 1000-mal gesehenen Mainstreamkino-Mustern orientiert. Die Originalität des norwegischen Kinos wird hier vermisst. Immerhin: Kameramann Dan Laustsen („Nachtwache“, „Silent Hill“) hat ihn mit wirklich wunderschönen Bildern bestückt.

Von Matthias Halbig / RND

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