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Filmfest Cannes startet mit sozialkritischen Tönen

Kino Filmfest Cannes startet mit sozialkritischen Tönen

Catherine Deneuve lässt sich einmal mehr beim Filmfest Cannes feiern. Sie stellt ein Sozialdrama vor - und damit startet das Festival ungewöhnlich kritisch. Glamour fehlt bei all dem aber nicht.

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Das Filmfestival hat am Mittwoch begonnen.

Quelle: DPA

Cannes. Dem ersten Film wird bei einem Festival immer eine besondere Bedeutung beigemessen. Immerhin könnte dieser Eröffnungsbeitrag ein Zeichen für die Stimmung der kommenden Tage sein. Das Filmfest Cannes setzte zuletzt meist auf opulente und hochkarätig besetzte Werke wie etwa «Grace of Monaco» mit Nicole Kidman. In diesem Jahr schlugen die Festspiele einen anderen Ton an – und zeigten zum Auftakt am Mittwochabend das Sozialdrama «La tête haute».

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein gab es natürlich auch Glamour: Die Grande Dame des französischen Kinos, Catherine Deneuve, spielt eine der Hauptrollen. Über den roten Teppich flanierten außerdem Jurymitglied Sophie Marceau sowie Stars wie Julianne Moore, Naomi Watts und Isabella Rossellini.

«Wir wollten den Menschen Tribut zollen, die im Hintergrund arbeiten», erklärte Regisseurin Emmanuelle Bercot die Beweggründe für ihren Film «La tête haute». Darin geht es um eine Jugendrichterin und einen jungen Kleinkriminellen. Sie sah außerdem Parallelen zu den Terroranschlägen Anfang des Jahres in Paris. «Die Täter hatten alle schwierige Kindheiten», sagte sie mit Blick auf die «Charlie Hebdo»-Attentäter. Vieles von dem habe sie auch bei ihren Recherchen bei Gericht und Sozialämtern gesehen. «Kein Kind wird böse oder barbarisch geboren.»

Deneuve betonte ebenfalls die politische und soziale Dimension des Films. Es sei wichtig, dass ein Festival wie Cannes mit einem Werk wie diesem eröffne. «Es ist für das Filmfest eine Möglichkeit, auf das schwierige vergangene Jahr in Europa und vor allem in Frankreich zu reagieren.»

Deneuve verkörpert in «La tête haute» eine Jugendrichterin. Der kleine Malony steht mit 7 zum ersten Mal vor ihr, als seine Mutter ihn völlig überfordert an die Behörden übergibt. Malony wird hin- und hergeschoben und gerät auf die schiefe Bahn. Er knackt Autos und rastet immer wieder höchst gewalttätig aus. Die Richterin und ein Sozialarbeiter versuchen ihm zu helfen, doch jeder neue Ansatz scheint fehlzuschlagen.

Deneuve strahlt in der Rolle der Richterin durchaus so etwas wie Mütterlichkeit und Verständnis aus. Der Fokus des Films aber liegt auf Malony. Der Jugendliche Rod Paradot verkörpert diesen Kleinkriminellen mit erstaunlicher Intensität. Sein Körper ist meist angespannt, innerlich brodelnd und zitternd bis in die Fingerspitzen, während seine Augen seine Verletztheit und Unsicherheit widerspiegeln.

Regisseurin Bercot gelingt es allerdings nicht, dem Thema wirklich neue Facetten hinzuzufügen. Da sind die viel zu junge Mutter, die hilflosen Sozialarbeiter, die verlorenen Kinder – das alles wirkt dann über zwei Stunden doch etwas zu schablonenhaft. Doch eine Chance auf die Goldene Palme zum Festivalende hat «La tête haute» sowieso nicht: Der Film läuft außer Konkurrenz.

Die internationale Jury muss stattdessen aus 19 anderen Beiträgen der kommenden Tage ihre Favoriten auswählen. Er werde versuchen, die Filme wie jeder andere Kinogast zu sehen, sagte Jurypräsident Joel Coen. «Man muss sich emotional darauf einlassen.» Sollte «La tête haute» tatsächlich einen Ausblick auf die Festivalauswahl geben, so dürften in Cannes noch so einige gesellschaftskritische Beiträge zur Auswahl stehen - und die Jury wird einige emotionale Erfahrungen durchleben.

Von Aliki Nassoufis, dpa

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