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Grübeln für Anfänger: auf Hape Kerkelings Spuren

„Ich bin dann mal weg“ Grübeln für Anfänger: auf Hape Kerkelings Spuren

Hape Kerkeling begeht noch einmal den Jakobsweg, 800 Kilometer bis ins spanische Santiago de Compostela. Der Mann, der dann mal weg war, ist wieder da.

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Idyllisch ist das Pilgerleben: Hape Kerkeling (Devid Striesow) macht ein kleines Päuschen.

Quelle: Warner Bros.

Mit diesem Pilger würde man gern ein Stück des Weges ziehen: Freundlich lächelt er jedem entgegen, die Sonnenbrille baumelt an seinem Hals, der Schlapphut sitzt keck auf dem Kopf. Wenn die Blasen an den Füßen zu sehr drücken, nimmt er ganz einfach den Bus, und einem Gläschen Wein am Abend keinesfalls abgeneigt.

Allerdings pilgert Kerkeling im Kino nicht persönlich. In seine Haut schlüpft in der Verfilmung seines knapp fünf Millionen Mal verkauften Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ der Schauspieler Devid Striesow. Vermutlich war das eine weise Entscheidung. In Kerkeling hätte man doch immer nur den TV-Komiker im Ruhestand und Bestsellerautor gesehen – und nicht den Sinnsucher, der er 2001 tatsächlich gewesen sein muss. Damals hatte ein Zusammenbruch auf der Bühne ihn aus der Bahn geworfen. So begab er sich auf die Suche nach sich selbst und nach Gott.

Striesow ist zweifellos die perfekte Wahl für diesen Trip. Mit viel Neugier mischt sich sein Kerkeling unter das teils exzentrisch-esoterische Pilgervölkchen, ohne dieses lächerlich zu machen. Dieser Suchende akzeptiert ganz einfach, was unter Gottes ziemlich heißer südländischer Sonne möglich ist – wenn es Gott denn gibt.

Das eigentliche Problem kann aber auch Striesow nicht aufheben: Im Buch ist ein Mann unterwegs, der vorwiegend mit sich selbst beschäftigt ist. Kerkeling führt Tagebuch und Selbstgespräche. Solche Reflexionen lassen sich aber nur schwer auf die Leinwand bringen.

Regisseurin Julia von Heinz („Hannas Reise“) versucht, dieser Krux zu entrinnen, indem sie Kerkeling immer wieder aus dem Off seine „Erkenntnisse des Tages“ zusammenfassen lässt. Aber was schon im Buch gelegentlich an spirituelle Kalender-Weisheiten erinnert, gerinnt in der unvermeidlichen Verknappung erst recht zu Plattheiten.

Lohnender wird der Film, wenn immer mal wieder zwei Frauen Kerkelings Weg kreuzen. Zumindest eine von ihnen hat das Zeug, das Interesse der Zuschauer zu wecken: Stella (Martina Gedeck) ist eine Wandererin mit traurigen Geheimnissen. Lange verschließt sie sich dem kommunikativen Kerkeling, irgendwann öffnet sie ihm aber doch ihr Herz. Zusammen mit der Journalistin Lena (Karoline Schuch) bilden die drei im letzten Filmdrittel ein Trio, das durch gegenseitige Unterstützung Pilgerkrisen überwindet. Viel mehr aber als einen sympathischen, aber seichten Grübel-Grundkursus hat der Film nicht zu bieten

Von Stefan Stosch

  „Ich bin dann mal weg“, Regie: Julia von Heinz, 92 Minuten, FSK 0. Im Cinemaxx

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