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In wohligem Licht

Mit „Mythos Heimat“ im Landesmuseum In wohligem Licht

Versonnen blicken Frauen auf ihre Näharbeit im wohligen Licht einer Bauernstube. Entschlossen schleppen Männer ein Rettungsboot zum Meer, um einem Schiff in Seenot zu helfen. Demütig senkt eine Gemeinde die Häupter beim Gottesdienst auf grüner Wiese. Alle halten zusammen und sind zumeist auch noch von der Sonne verwöhnt.

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Idyll der ländlichen Gemeinschaft: „Die Huizer Nähschule“ (1891) von Wilhelmina Walburga Moes aus Laren.

Quelle: Landesmuseum Hannover

Hannover. So schön ist das Antlitz der Heimat, wie Künstler es vor mehr als 100 Jahren festgehalten haben. Heimat, eine heile Welt?

Das Idyll war auch damals schon eher Wunsch als Wirklichkeit, ein Gegenentwurf zur industriellen und urbanen Realität um 1900 - weshalb die neue Ausstellung im Landesmuseum, in der die ländlichen Heimat-Visionen zu sehen sind, denn auch „Mythos Heimat“ heißt. Spannend ist daran nicht nur, dass der idyllisierende Blick aufs Landleben damals quer durch Europa einem Zeitgeist entsprach. Spannend ist auch, wo er besonders gepflegt wurde. Das Näherinnen-Bild stammt aus dem niederländischen Laren, das Küstenbild aus dem dänischen Skagen, das Gottesdienst-Motiv aus Worpswede - „Worpswede und die europäischen Künstlerkolonien“ ist der Untertitel der Kunstschau.

30 solche Kolonien, in die sich Künstler im Laufe des 19. Jahrhunderts zurückgezogen haben, lässt Thomas Andratschke, Leiter der Landesgalerie und Kurator dieser Ausstellung, dabei Revue passieren - von Skagen an der Küste Dänemarks bis zum Monte Verita in Ancona, von Concarneau in der Bretagne bis Nidden auf der Kurischen Nehrung im heutigen Litauen. 260 Werke werden in der großen Sonderausstellung gezeigt, nur 40 davon stammen aus dem reichen Bestand des Landesmuseums. Und Andratschke stellt auch die Querbezüge und Netzwerke zwischen den Künstlerkolonien heraus.

„Worpswede wurde durch die Ausstellung im Münchener Glaspalast 1895 schlagartig international bekannt - und in der damaligen deutschen Kunsthauptstadt studierten auch Künstler aus Skandinavien. „Europa gehörte um 1900 aus Sicht der Künstler zusammen“, sagt Museumsdirektorin Katja Lembke. „Die Künstlerkolonien bildeten ganz offene, aber auch abgelegene Gesellschaften.“ Und darin pflegten die stadtflüchtigen Künstler ein idyllisierendes Bild vom Landleben? Neben der Stadtflucht gab es noch andere Motive für Künstlerkolonien, vor allem aus der ökologisch orientierten Lebensreformbewegung - von der Naturliebe über die Freikörperkultur bis zum Vegetariertum. „Freiluftmalerei war eine Alternative für Künstler, die sich weder ein großes Atelier noch große Reisen leisten konnten“, sagt Andratschke. „Gauguin entdeckte den schönen Wilden für sich in Polynesien - die Bretonen kamen den zugereisten Künstlern in Concarneau bestimmt ebenso exotisch vor.“

Mal dokumentarisch-realistisch, mal verklärend stilisiert werden denn auch die Leute auf dem Lande porträtiert. Da gibt es Genrebilder wie Carl Spitzwegs „Dachauerin auf einer Bank sitzend“. Oder Landschaftsmalerei wie Theodore Rousseaus „Plateau von Bellecroix“ (1848).

„Mythos Heimat. Worpswede und die europäischen Künstlerkolonien“. Bis zum 26. Juni im Landesmuseum, Willy-Brandt-Allee 5.

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