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Zweitfrau für meinen Mann gesucht!

Komödie „Liebe – Halal“ Zweitfrau für meinen Mann gesucht!

Mit dem christlichen Glauben und der Liebe ist es auch nicht einfach. Sexverbot vor der Ehe, die Absage an Verhütungsmittel, die Ausgrenzung Geschiedener – die Liste der Unvereinbarkeit von Religion und Begehren ist lang. Umso größer ist zumindest in westlichen Ländern die Kluft zwischen gelebter Praxis und verknöcherten kirchlichen Vorschriften. Ebenso müssen Muslime religiöse Vorgaben und erotische Bedürfnisse unter einen Hut bringen. Über dieses manchmal absurde Spannungsverhältnis hat der Libanese Assad Fouladkar die Komödie „Liebe – Halal“ gedreht.

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Guten Appetit: Salim (Ali Sammoury) lässt sich von seinen Ehefrauen Awatef (Mirna Moukarzel, l.) und Bardot (Fadia Abi Chahine) verwöhnen.

Quelle: Neue Visionen

Und siehe da: Über alle Glaubensgrenzen hinweg ticken die Menschen ähnlich, auch wenn sich die drei Beiruter Paare in dieser deutsch-libanesischen Koproduktion mit ganz speziellen Problemen herumschlagen.

Da ist zum Beispiel Awatef (Mirna Moukarzel). Prinzipiell ist sie glücklich verheiratet mit Salim (Ali Sammoury). Aber im Moment geht es Awatef – Typ Häuptlingsgattin Gutemine aus „Asterix und Obelix“ – gar nicht so gut. Ihre beiden kleinen Töchter verlangen ihr viel Geduld ab, der Haushalt kostet Kraft. Und Salims sexuelle Lust ist größer als die ihre, wenn sie erschöpft neben ihm im Bett liegt. Was also tut Awatef? Sie macht sich auf die Suche nach einer Zweitfrau für ihren Mann, die ihr den Alltag erleichtern soll – gewissermaßen als Haushaltskraft mit familiärem Anschluss. Ein Moslem darf bis zu vier Frauen haben.

Die Ehe des krankhaft eifersüchtigen Mokhtar (Hussein Mokaddem) ist noch mehr gefährdet, obwohl auch er seine Frau liebt und sie ihn: Immer wieder macht er Batoul (Zainab Hind Khadra) auf offener Szene eine solche. Gerät er so richtig in Rage, verstößt er sie – und das bevorzugt in Anwesenheit der Nachbarn im Hausflur. Nach dem dritten Mal gelten die beiden als getrennt. So ist das, wenn man die Scheidung öffentlich ausspricht. Am liebsten würde der erschrockene Mokhtar seine Batoul sofort wieder heiraten. Doch das ist nicht so einfach: Batoul müsste erst einen anderen Mann ehelichen, könnte sich dann wieder scheiden lassen und ihn erneut heiraten. Diese Vorstellung dürfte nicht nur einen Choleriker vor Probleme stellen.

Und dann ist da noch Loubna (Darine Hamze), Opfer einer von ihrer Mutter arrangierten Ehe. Damals war sie eine Teenagerin, nun ist sie endlich geschieden und frei, um mit ihrer Jugendliebe ein neues Leben zu beginnen. Doch Gemüsehändler Abou Ahmad (Rodrigue Sleiman) ist verheiratet, will bei seiner Familie bleiben und favorisiert eine Ehe auf Zeit mit Loubna. Die Scharia würde das erlauben. Nur entspricht dies nicht Loubnas Vorstellungen. Ihre Träume sind unvereinbar mit der Wirklichkeit – es dürfte ihr wie vielen anderen auf diesem Planeten ergehen.
Einen amüsanten Beziehungsreigen inszeniert Regisseur Fouladkar. Auch Nicht-Muslime können sich in den Figuren wiedererkennen, die nach einer lebbaren Doppelmoral suchen. Die Protagonisten fragen danach, was erlaubt ist – eben „halal“. Allerdings geht Fouladkar nicht dahin, wo es wehtut. Er gräbt nicht so tief, als dass die Geschichte einen tragischen Verlauf nehmen könnte. Zumindest aber öffnet er den Blick auf die Lebenswirklichkeit gläubiger Muslime. Manches erscheint bizarr, vieles erstaunlich vertraut.

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