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Kein Lendenschurz? Ist doch schnurz

„Legend of Tarzan“ im Cinemaxx Göttingen Kein Lendenschurz? Ist doch schnurz

So schön kann es im Kongobecken sein. Weiße Vögel stieben vor Baumkronen auf, die so groß sind wie ein Dorf. Die Savanne trägt Gold, jede Baumrinde ist reiselustfördernd gefurcht. In dieses Paradies kehrt Lord Greystoke zurück, der hier unter Affen aufwuchs. Er ist mit seiner Gattin Jane hier und mit dem schwarzen US-Bürgerkriegsveteran George Washington Williams. Dem belgischen König Leopold soll er für die britische Krone auf den Zahn fühlen, ob der seine marode Staatskasse per Sklavenhandel saniert. In der alten Heimat nennt man ihn wieder wie früher: Tarzan.

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Ich Tarzan, du schön: Der Held (A. Skarsgård), Jane (Margot Robbie).

Quelle: Warner Bros.

Und wenn drei Löwinnen über den Hügel kommen, greifen sie nicht etwa an, sondern kuscheln mit ihm, wie sie es taten, als sie noch Raubkätzchen waren.

Tarzan ist wieder da. David Yates, der die zweite Hälfte der acht Harry-Potter-Filme inszenierte, hat offenbar ein Faible für Waisen, die unter Sonderbedingungen groß werden. Die Geschichte von Tarzans Eltern, seiner Kindheit und Jugend (die dank des Disney-Trickfilms noch 104 Jahre nach Erscheinen des ersten Buchs jedes Kind kennt) verdichtet der Engländer in eher ungelenk eingezwirbelten Mikrorückblenden.

Wir treffen den fünften Earl of Greystoke auf seinem Familiensitz. Beim Tee spreizt er den kleinen Finger englisch ab und er ist in der Zivilisation keineswegs unglücklich. Es nervt ihn nur, dass er inzwischen zum Helden von Schundromanen geworden ist. Und mit Jane trägt er schwer am Verlust eines Babys. Ihr zuliebe, die wieder „nach Hause“ will, willigt er schließlich ein, als viktorianischer James Bond ein wenig im Kongo zu spionieren.

Dann brennt sein belgischer Widersacher das Dorf seiner Freunde nieder, versklavt diese und entführt Jane, um Tarzan in die Falle eines rachsüchtigen Häuptlings zu locken. Dafür soll jener Monsieur Rom eine Truhe Diamanten erhalten, mit denen sein König alle Waffen der Welt kaufen könnte.

Der Bösewicht wird – wie könnte es anders sein – von Christoph Waltz gespielt, der als besonderes Markenzeichen einen katholischen Rosenkranz schmerzhaft anzuwenden pflegt. Rassismus, in den Romanen von Edgar Rice Burroughs noch gang und gäbe, wird diesmal bekämpft. Ansonsten aber bricht sich ein Abenteuerfilm im Schwarz-Weiß-Geiste der alten Tarzaniaden mit Johnny Weissmüller oder Lex Barker Bahn. Es ist auch die Sorte Tarzan-Fantasy, in der sich Antilope, Leu und Krokodil freudig vor den Karren des Helden spannen lassen. Und wenn eine Stampede die Hafenstadt der Belgier ruiniert, wissen die Gnus, dass sie im Getümmel keinesfalls Jane (stark: Margot Robbie) umrennen dürfen. Genauso darf Tarzan darauf vertrauen, dass, wenn er sich von hohen Felsklippen in Baumkronen hinabwirft, stets Hilfspflanzen warten. Wo sein Wille ist, da ist auch eine Liane. Märchenstunde im Reich des Baobab.

Der Schrei? Tarzan schreit ihn sogar zweimal. Kein Schurz? Ist doch schnurz. Alexander Skarsgård ist auch in Hose schön und der alte Genitaldecker sah sowieso immer nach einem Öko-Superman aus. Mit einem munteren Samuel L. Jackson an des Helden Seite nimmt Legend of Tarzan“ zuweilen Züge eines Buddy-Movies an. Aber weder Klamauk noch Action nehmen überhand. Alles im Lot im Dschungel. Fortsetzung gerne!

Von Matthias Halbig

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