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Mosaik der Liebe

Spektakuläre Uraufführung in Hamburg Mosaik der Liebe

Zur Eröffnung der 42. Hamburger Ballett-Tage hat John Neumeier seine Choreografie „Turangalila“ zur gleichnamigen Sinfonie von Olivier Messiaen uraufgeführt. Ein spektakuläres Ereignis, das vom Publikum gefeiert wurde.

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Mit der spektakulären Uraufführung seiner Choreografie „Turangalila“ zur hat Ballettdirektor John Neumeier die Ballett-Tage eröffnet.

Quelle: R

Hamburg. Zu packend dramatischen Klängen erzählt dieser Abend von Liebe als Lebensenergie, von Leidenschaft, Begehren und Sinnlichkeit – doch er beginnt in Stille und Einsamkeit. Zögerlich betritt ein junger, nur mit einem weißen Rock bekleideter Mann (Christopher Evans) die helle, kreisrunde Tanzfläche, die über den Orchestergraben ins Parkett hineinreicht. Er kniet nieder, scheint etwas in seinen Händen zu imaginieren, küsst die Fingerspitzen seiner Linken. Fährt fort mit weit ausholenden Drehungen und Sprüngen. Dann erst setzt schwer und wie auftrumpfend das Orchester ein – und nun sind es sieben Männer, die sich erst einmal in einen archaisch wild anmutenden, kraftvollen Gruppentanz zu stürzen scheinen.

Mit der spektakulären Uraufführung seiner Choreografie „Turangalila“ zur gleichnamigen epochemachenden Sinfonie von Olivier Messiaen aus dem Jahr 1948 hat Ballettdirektor John Neumeier die Ballett-Tage eröffnet. In der voll besetzten Staatsoper feierte das Publikum die Compagnie und ihren Choreografen nach eineinhalb Stunden ebenso wie das aufwendig besetzte und fulminant musizierende Philharmonische Staatsorchester unter Leitung von Kent Nagano. Die Tänzer rücken ungewöhnlich nah an das Orchester und an die Zuschauer heran.

Dem verstörenden Einstieg folgt ein „Chant d’amour“ (Liebesgesang) der beiden Solisten Hélène Bouchet und Carsten Jung. Zu zunächst satter und lyrischer, dann schräg und stark rhythmisch klingender Musik verkörpern sie innig die Faszination, die Mann und Frau aufeinander ausüben. Sie trägt ein sinnfällig hellrotes Kleid, er einen hellgrauen Rock bei nacktem Oberkörper. In anderen Passagen des Balletts sind die Kostüme auch schwarz, violett oder orange - wohl gewählt, um dem Bewusstsein des französischen Komponisten zu entsprechen, der als sogenannter „Synästhet“ bei Klänge Farben sah und bei Farben Klänge hörte.

Am Ende ihres Abends wird wieder die Einsamkeit der von Evans getanzten Figur stehen. Doch dann ist es ein Alleinsein, das sich wie innerlich bereichert anfühlt durch die Liebesstationen, die der Solist als eine Art Identifikationsfigur für den Betrachter durchlaufen hat.

Hamburgische Staatsoper, Große Theaterstraße 25 in Hamburg. Die nächsten Vorstellungen: 5. und 8. Juli. Kartentelefon: 040 / 35 68 68.

Rätselhaftes Bühnenwerk

Als „Mosaik der Liebe“ hat Neumeier in Medieninterviews sein rätselhaftes Bühnenwerk bezeichnet. Zur Sinfonie des tief katholisch gläubigen Messiaen (1908-1992), der seine spirituellen Einsichten auch anderen Zeiten und Kulturen entnahm, könne er kein Libretto bieten. Die intensive zehnsätzige Nachkriegs-Komposition, deren Name aus dem Sanskrit stammt und auf ein bestimmtes rhythmisches Muster, auf Tempo, Spiel, Leichtigkeit und Anmut verweist, dient dem Choreografen dazu, für ihn typische klassisch-moderne Tanzimpressionen zu gestalten, die das Publikum zu eigenen Assoziationen anregen dürften.

Bereits seit 1968 hatte sich Hamburgs langjähriger Ballettchef um die Aufführungsrechte bemüht. Doch verwirklichen konnte er sein Projekt erst nach Vermittlung Naganos bei den Erben des Komponisten. Der Dirigent, ein Freund der Familie Messiaen, wirkt seit Beginn dieser Spielzeit als Generalmusikdirektor in der Hansestadt. „Turangalila“ ist die erste Zusammenarbeit der beiden Amerikaner.

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