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Neue deutsche Romantik

Kulturzentrum Hannover Neue deutsche Romantik

Einfach ist das nicht. Philipp Dittberner, 25, Typ kleiner Bruder von Mats Hummels, hat gerade mit seiner Band ein Liebeslied gespielt, der Gesang ein wenig nuschelnd, wie das seine Fans so gern haben. Er steht da nun, zwischen den Liedern, und der volle Saal ist ruhig.

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Er ist hier, mit Wolke 4: Philipp Dittberner im Musikzentrum

Quelle: von Ditfurth

Hannover. „Alles gut bei euch?“, fragt er. Ein Jubeln. Falls Dittberner kurz dachte, sein wahnsinniges letztes Jahr sei nur ein Traum gewesen, keine Sorge, alles gut. Philipp Dittberner hat im Musikzentrum seine Tournee gestartet. Die ist schon jetzt ein Erfolg, viele Hallen sind ausverkauft, im Berliner Lido spielt Dittberner gleich an zwei Abenden in Folge. Hannover als Ausgangspunkt, das passt ganz gut zur Geschichte des Berliners. Denn im Publikum steht auch Marv, der Mann, mit dem Dittberner vor einigen Monaten die Charts erklomm und sich in den Radios festsetzte. Dittberner und Elektro-Musiker Marv haben sich damals über das Internet Songfragmente immer wieder hin und her geschickt. Am Ende stand dann „Wolke 4“, dieses luftig dahinpoppende Liebeslied.

Wobei, Liebeslied, das ist ja so eine Sache. Denn bei „Wolke 4“ geht es darum – eine Lesart –, lieber nicht zu viel von der Liebe zu wollen, um Enttäuschung zu vermeiden. „Ich war da (auf Wolke 7) schon einmal, bin zu tief gefallen / Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein.“ Deutsche Romantik klang schon mal anders. Dittberner stellt mit seiner Band sein gerade erschienenes Debütalbum vor. Auf „2:33“ hat er zwölf Lieder über Liebe, Freundschaft, Wohlfühlen und Einsamkeit versammelt; schöne Singer-Songwriter-Stücke wie „Tretboot“, Getragenes wie „Blinder Passagier“ oder das poppige „Das ist Dein Leben“. Die Texte sind manchmal nah am Kitsch. Sie heben sich aber ab von vielem in diesem Genre. Es wird auch daran gelegen haben, dass Herbert Grönemeyer Dittberners Debüt auf seinem Label „Grönland“ veröffentlicht.

Im Musikzentrum spielt Dittberner mit seiner Band auch ältere Stücke, wie das schöne „Barcelona“, einer Freundin gewidmet, die es in den Süden zog. Seine Songs funktionieren, wenn er sie alleine mit der Gitarre spielt, nur mit dem Klavier begleitet, aber auch mit der ganzen Band, die präsent ist, aber live nicht überdreht und den Sänger stets im Mittelpunkt belässt.

Der Erfolg kam mit „Wolke 4“, schnell und heftig, bis in die Top 10. Philipp Dittberner weiß um seinen Überhit, er spielt mit ihm. „Gleich kommt der letzte Song“, sagt er, kündigt ein anderes Lied an und schaut in einige verwunderte Augenpaare. Natürlich kommt sein bekanntester Song dann noch, als zweites Stück der Zugabe. „Welches Lied wohl jetzt kommt?“, fragt der Sänger. Man habe ein Ranking in der Band, welche Stadt wohl am lautesten mitsingen werde. Das alles nervt dann doch ein bisschen.

Es gibt diese Lieder, diese Überhits, die hasst und liebt man als Musiker. Fool’s Garden haben ihren „Lemon Tree“, Europe ihren „Final Countdown“ und Rex Gildo hatte seine „Fiesta Mexicana“. Die Nüchternen sehen den Überhit als Rentenversorgung, die Emotionalen als Fluch und die Glücklichen legen nach, tragen so die scharfe Spitze des Einzelerfolgs ab.

Vielleicht hat man bei der ersten großen Tour Angst, die Hits zu früh zu spielen. Angst, dass das Programm hinten abflacht und der letzte Eindruck der Zuschauer Enttäuschung ist. Philipp Dittberner kann seine Setlist ruhig noch einmal umstellen. Auch dann gilt, was für seine Karriere gilt: Da kommt noch was.

Gerd Schild

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