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Schauspiel-Zwillinge glänzen bei Hersfelder Theaterfestspielen

Unterhaltung im Doppelpack Schauspiel-Zwillinge glänzen bei Hersfelder Theaterfestspielen

Sie sind beide knapp 1,50 Meter klein, hinterlassen auf der Theaterbühne aber großen Eindruck. Bei den Bad Hersfelder Festspielen sind die eineiigen Zwillinge Laura und Lisa Quarg (33) zwar nur in Nebenrollen zu sehen. Doch diese nutzen sie im Stück „Der zerbrochene Krug“ für einprägsame Auftritte. Nicht nur die Zuschauer in der Stiftsruine zeigen sich Abend für Abend hellauf begeistert von den kleinen Schauspiel-Riesen.

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Mit dem Hersfeld-Preis 2015 ausgezeichnet: die Schwestern Laura (links ) und Lisa Quarg.

Quelle: dpa

Bad Hersfeld. Auch eine Jury von Theater-Kritikern war angetan. Sie verlieh den Quarg-Schwestern den Hersfeld-Preis 2015 für herausragende Leistungen. Die Jury lobte: „Die Zwillinge werten ihre sogenannten Nebenrollen mit kühner Bühnenpräsenz, komödiantischem Geschick und akrobatischem Körpereinsatz wesentlich auf.“

 
Komödiantisches Geschick und viel Körpereinsatz beweisen die Quarg-Schwestern etwa, wenn sie als die beiden Mägde mit Besenstielen wild aufeinander losgehen und einen akrobatischen und komischen Kampf ausfechten – ein Glanzlicht. „Wir sind aufeinander eingestellt und können uns die Bälle gut zu spielen“, erklärt Lisa, „wo andere hart an der Synchronität arbeiten müssen, gelingt uns das nötige Timing schneller, weil wir uns in- und auswendig kennen.“
Ihr komödiantisches Geschick haben sich die Zwillinge unter anderem in Clown-Workshops angeeignet. „Wir lieben feine Komik und versuchen, Dinge überspitzt und übertrieben darzustellen“, erklärt Laura. Der Regisseur der Bad Hersfelder Inszenierung und ehemalige Intendant, Holk Freytag, sagt: „Sie verfügen über außerordentliche Ausstrahlung und großes Können, sind fleißig bis zur Selbstaufgabe.“

 
Die Quarg-Schwestern machen auch fast alles zusammen. Sie studierten zusammen an der Folkwang Universität der Künste (Essen). Danach nahmen sie meist gemeinsame Engagements an, zum Beispiel an Theatern in Wiesbaden, Stuttgart, Essen, Aachen und Hamburg. Die beiden Zwillinge gibt es fast nur im Doppelpack. „Wenn nur eine von uns ein Engagement bekommt, ist das nicht so schön. Wir wollen lieber zusammenspielen oder inszenieren.“
Die Initialzündung fürs Schauspielen erlebten beide auch – wie sollte es anders sein – gemeinsam. „Mit 14 haben wir ein Stück von Pina Bausch gesehen. Da haben wir uns beide geschworen, dass wir auch zum Theater gehen werden“, schildert Laura.

 
Bei aller Gemeinsamkeit haben die Zwillingsschwestern aber recht unterschiedliche Charakterzüge. Lisa sagt: „Ich bin die Mutige von uns beiden.“ Und Laura ergänzt: „Ich bin eher zurückhaltend.“ Was beide aber eint: „Wir sind sehr kritisch miteinander“, sagt Lisa, und Laura verrät: „Deswegen streiten wir auch jeden Tag miteinander. Wir vertragen uns aber auch schnell.“ Worüber sie streiten? „Lisa setzt sich gern mal ins gemachte Nest“, wirft Laura mit ihren organisatorischen Stärken ihrer Schwester keck vor. Ungemütlich werden beide, wenn Menschen versuchen, sie im übertragenen Sinn in Schubladen zu stecken. Lisa sagt: „Wir können es nicht leiden, wenn man uns für die kleinen Süßen oder Quirligen hält. Furchtbar, wenn wir zum Größenvergleich mit Leuten fürs Foto posieren sollen.“ Ihre Größe von gerade einmal 1,50 Meter empfinden sie als Vorteil, als Alleinstellungsmerkmal im Theaterleben. Lisa sagt: „Wir sind speziell. Unsere Größe fällt auf. Uns kann man extrem besetzen, etwa in Rollen von Kindern, Greisen oder Hexen.“

 
Mittlerweile leben die Quargs in Berlin. 2010 haben sie dort das „Theater Q&Q“ gegründet. „Wir wollen jetzt mehr inszenieren“, erklärt Laura. Mit von der Partie ist auch Lauras Ehemann Tobias Goldfarb, ehemals Bungter. Das Trio inszenierte bei den Festspielen ein selbst geschriebenes Stück auf einer Nebenbühne. Für „Verführen Sie doch bitte meine Frau!“ erhielten sie recht positive Kritiken. Es war natürlich eine Komödie.

 

Von Jörn Perske

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