Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Sir Paul auf Nummer sicher

Paul McCartney in Düsseldorf Sir Paul auf Nummer sicher

„Schränggg!“ macht es, und es ist wieder 1964. Mit einem mächtigen Akkord startet die Europatour von Paul McCartney. Ein paar Augenblicke lang steht dieser berühmte Ton gleißend in der ausverkauften Esprit-Arena.

Voriger Artikel
Ginkgoa und Chico Trujillo im Pavillon
Nächster Artikel
Sir Paul geht auf Nummer Sicher

Von den Fans beim Start seiner Tournee gefeiert: der legendäre Beatle Paul McCartney.

Quelle: David Young/dpa

Düsseldorf. Dann setzt die Band ein und Worte juvenilen Durchhaltevermögens gehen hinaus in die Saalnacht: „It’s Been a Hard Day’s Night“, singt McCartney. Zum ersten Mal seit Pilzkopfzeiten spielt er dieses Stück live, und 27 000 in Düsseldorf singen mit ihm „you know I fee-heel alright“. Und sie meinen das auch so.

Seinem Alter geschuldet, wäre gesunder Nachtschlaf inzwischen angemessen, in drei Wochen wird McCartney 74 Jahre alt. Aber Musikmachen ist für ihn wie Feierabend, und die im Text anvisierte Heimkehr zum Liebchen ist in Wahrheit die Heimkehr zu uns, seinem Publikum. Mit einem Konzert, das zweieinhalb Stunden dauern wird. Der Mann, der seit Beatleszeiten für die meisten einfach Paul ist (seit 1997 Sir Paul), hat es leicht mit der Publikumseroberung, er macht viele Ansagen auf Deutsch und hat zudem das Aussehen, den Charme, die Legende und - die Songs. Musik aus der Zeit, als Rock’n’Roll im zweiten Frühling und zum Angriff entschlossen war. Die Leinwand zeigt Bilder aus jenen Tagen. Und man wird von Sehnsucht geflutet. So haben nicht wenige im Stadion (erstaunlich viele davon unter 30 Jahren) diesen altbekannten jungen Blick, als wäre wieder Beatlemania.

Das Programm speist sich fast ausschließlich aus den Jahren 1958 bis 1982 - von „In Spite of all the Danger“, dem frühesten Lennon/McCartney-Original im Stil der Everly Brothers bis zu der Ballade „Here today“, die ein wenig zu sehr an „Yesterday“ erinnert. Songs vom letzten Album werden zwar auch gereicht, aber sie klingen wie alte.

„Love me do“ kommt übrigens auch. Traute Mundharmonika von Keyboarder Paul Wickens, bezwingende Melodie, schlendernder Rhythmus. In einigen Reihen macht sich jetzt, kaum dass McCartneys drei Amerikaner - der Schlagzeuger Abe Laboriel junior und die Gitarristen Rusty Anderson und Brian Ray - den Druck mal zurücknehmen, urdeutsche Musikantenstadlgemütlichkeit breit. Wollen die jetzt losschunkeln wie weiland unsere Omis bei Freddy Quinn?

Die Überraschungen für den, der McCartneys Musik mehr liebt als die eigene Nostalgie, lassen sich an zwei Fingern abzählen: „Temporary Secretary“, ein Stück Elektropop von 1980. Und aus der großen Schatzkammer der Fab Four ist es „Being for the Benefit of Mr. Kite“, dieses taumelnde, burleske Zirkuslied. Die letzte Stunde ist dann nur noch „Ob-la-di, Ob-la-da“, die größten Hits, alles Nummern sicher. Man geht jetzt besser in den Genießermodus, statt sich über die Vorhersehbarkeit zu grämen. Da sind sie alle wieder: „Lady Madonna“, „Eleanor Rigby“, „Let it be“ und „Hey Jude“, das, als es erstmal über den Berg seiner Lyrik ist, vom Chor der 27 000 lauthals getragen wird: „Naaaa-naa-naaa-nanananaaaa“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff