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Theater über das Konvertieren

Uraufführung in Braunschweig Theater über das Konvertieren

Warum wechseln Menschen ihren Glauben? Diese Frage stellt das Künstlerkollektiv Werkgruppe2 aus Rosdorf – und will sie mit einer Inszenierung „Offener Himmel“ im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig beantworten. Dazu haben die Künstler mit Menschen gesprochen, die konvertiert sind.

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Christoph Vette (links) und Sven Hoenig.          

Quelle: Beinhorn

Braunschweig. Überall alte Radiogeräte, überall Möglichkeiten, etwas zu empfangen. Die Bühne ist vollgestellt mit historischen Empfängern. Es knistert und rauscht, und ab und zu ertönen Stimmen aus einer anderen Zeit. Eine entführte Maschine sei auf dem Weg in den Nahen Osten, erzählt ein Radioreporter, während ein anderer etwas über einen Konflikt in Israel berichtet. Dazwischen irren Menschen über die Bühne. Aber was hat das mit dem Glauben zu tun? Die Produktion „Offener Himmel. Über das Konvertieren“, die am Freitag, 18. März, uraufgeführt wird, will herausfinden, warum Menschen den Glauben wechseln.

In monatelanger Recherche hat das Performance-Kollektiv mit Menschen gesprochen, die freiwillig konvertiert sind. Die Akteure wollten in Erfahrung zu bringen, was der Glaube für eine moderne Gesellschaft bedeuten kann. Auf der Bühne treten Schauspieler in die Rolle der Interviewten. „Wir wollten uns Menschen nähern, die sich selbstbestimmt für eine Religion entschieden haben – oder komplett gegen den Glauben“, erklärt Regisseurin Julia Roesler.

Dabei hätten sie festgestellt, wie ungewohnt es für die Interviewten ist, über religiöse Fragen zu sprechen: „Viele haben uns gesagt, diese Gespräch zu führen, über ihren Glauben, ist für sie so intim wie über ihre Sexualität zu sprechen.“ Eben deshalb wollten die Interviewpartner anonym bleiben, betont Roesler. „Es ist merkwürdig, dass das Gespräch über den eigenen Glauben in unserer Gesellschaft so ein Tabu ist.“ Dabei könne nur im Gespräch ausgelotet werden, welche Rolle der Glaube und die Gläubigen in einer modernen Gesellschaft spielen können. Und was Menschen zum Glaubenswechsel treibt.

Dass die Ursachen der Konversion höchst unterschiedlich sein können, erläutert der Religionssoziologe Detlef Pollack. „Die Ursachen für eine Konversion können sehr vielschichtig sein“, sagt der in Münster lehrende Wissenschaftler. Ein typischer, aber nicht der einzige Auslöser für eine Konversion sei häufig eine Krisensituation. Ein Faktor sei auch der persönliche Kontakt mit Menschen anderen Glaubens. „Die wenigsten entscheiden sich im stillen Kämmerlein für einen Wechsel“, betont Pollack.

Auf der Bühne werden schließlich Kunstfiguren aus den Interviewten, entstanden aus den Gesprächen, wie die Regisseurin erklärt. Eine Frau lauscht einem alten Kofferradio, aus dem ihre eigene Stimme ertönt. Sie erzählt, wie es war, als sie als Kind plötzlich aufgehört hat zu glauben, „einfach so, von einem Tag auf den anderen“. Das habe sicherlich mit Vernunft zu tun gehabt, die Rationalität wurde für die Frau zum Gegenpol religiöser Erkenntnis.

Die Uraufführung:

„Offener Himmel. Über das Konvertieren“ am Freitag, 18. März, beginnt 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig, Magnitorwall 18. Weitere Vorstellungen: 20. März und 8. April um 18 Uhr sowie am 30. März,20. März, 8., 15., 21. und 27. April sowie am 4. und 24. Juni um 19.30 Uhr. Kartentelefon: 05 31 / 12 34 567.

Von Alexander Kohlmann

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