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Große Körper, kleine Köpfe

Werke von Georg Baselitz Große Körper, kleine Köpfe

Georg Baselitz zählt zu den prägendsten Malern und Bildhauern unserer Zeit. Mit seinen vor 50 Jahren entstandenen „Heldenbildern“ hat er Kunstgeschichte geschrieben. Sie sind bis Oktober im Frankfurter Städelmuseum zu sehen.

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Der Maler Georg Baselitz und seine „Helden“.

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Mit ihren kolossalen Körpern und kleinen Köpfen erinnern sie an die Trolle aus der „Herr-der-Ringe“-Filmtrilogie. Vor 50 Jahren schuf der damals 27-jährige Maler und Bildhauer Baselitz in wenigen Monaten seine später sogenannten „Helden“ und „Neuen Typen“, die heute weltweit als ein Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 1960er-Jahre gelten. Das Frankfurter Städelmuseum präsentiert ab Donnerstag, 30. Juni, bis Sonntag, 23. Oktober, rund 70 Gemälde und 130 Zeichnungen aus der Werkgruppe sowie aus dem Frühwerk des Künstlers.

Einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Künstler

Wer die Bilder verstehen will, muss tief in die Biografie eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlers hinabsteigen. Geboren wird Baselitz 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern. Seine ersten Lebensjahre sind gekennzeichnet von Terror und Bombenkrieg, Flucht und Hunger. Von seiner Mutter wird der Siebenjährige losgeschickt, bei Bauern um Brot oder Kartoffeln zu betteln. „Ich bin in eine zerstörte Ordnung hineingeboren worden, in eine zerstörte Landschaft, in ein zerstörtes Volk, in eine zerstörte Gesellschaft“, formuliert er etwa 1995 im Rückblick.

Der junge Baselitz passt sich zunächst an und stellt die neue Ordnung nicht infrage. Doch bald widerstrebt es ihm, sich einer Ideologie unterzuordnen. Nach zwei Semestern fliegt er 1956 wegen „gesellschaftlicher Unreife“ von der Hochschule für bildende und angewandte Kunst im Berlin-Weißensee (Ost) und setzt sein Studium ein Jahr später im Berlin-Charlottenburg (West) fort. Aber auch dort bleibt Baselitz ein Außenseiter. Der Konsumrausch, der Amerika-Hype und das Verdrängen und Verleugnen der Gräuel der NS-Zeit passen ihm nicht. Er fühlt sich entwurzelt und fremd. Das gilt auch für die Kunst: Während im Osten der sozialistische Realismus regiert, fördern die westlichen Alliierten in ihren Gebieten die abstrakte Kunst.

Gegenständliche Malerei

Mit seiner gegenständlichen Malerei steht Baselitz fast allein. „Ich war nicht einverstanden mit dem, was die anderen machten, ich wollte mich in kein System einordnen“, sagt der Künstler.

Mit seinen „Helden“ - gebrochene, lethargische Männer in einer zerstörten, chaotischen Welt - gibt Baselitz den Startschuss zur Aufarbeitung der jüngsten deutschen Vergangenheit. „Zu einem sehr frühen Moment“, wie die Co-Kuratorin Eva Mongi-Vollmer zu Recht anmerkt. Denn erst Jahre später entfachen die Studierenden in der Bundesrepublik einen massiven Sturm der Entrüstung über die moralische Verkrustung der Nachkriegszeit. epd

Öffnungszeiten

dienstags, mittwochs, sonnabends, sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 21 Uhr im Städelmuseum, Schaumainkai 63 in Frankfurt/Main.

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