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200 Jahre Wissenschaftsgeschichte

Göttinger Stadtführung 200 Jahre Wissenschaftsgeschichte

Nicht mal zwei Kilometer braucht es, um mehr als 200 Jahre Wissenschaftsgeschichte in Göttingen abzulaufen. Das hat Stadtführerin Gudrun Keindorf bei dem Rundgang zu „Querdenkern, Pionieren und Nobelpreisträgern“ gezeigt. Die Teilnehmer erfuhren von genialen Entdeckungen und netten Versuchen der Forscher.

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Kenntnisreich: Stadtführerin Gudrun Keindorf bringt Besuchern Göttinger Geschichte näher.    

Quelle: Bänsch

Göttingen. Der Rundgang beginnt am Alten Rathaus. Keindorf erzählt von der Gründung der Universität Göttingen: „Wo nichts ist, da kann man auch nicht vom Studieren abgelenkt werden.“ 1734 gründete sich die Georgia Augusta. Besonders war dabei, dass hier Zensur- und Religionsfreiheit herrschten. Die Bibliothek verfügte über umfangreiche Ressourcen und galt lange als die größte Mitteleuropas. Und, für die damalige Zeit revolutionär, auch Studenten durften die Bücher benutzen.

Die kleinen Plaketten drängen sich dicht an den Fassaden der Innenstadt: Mit Name, Jahreszahl und Forschungsgebiet wird dort an die Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten der Stadtgeschichte erinnert. Ein praktischer Tipp von der Stadtführerin: „Schließen Sie nicht von der Jahreszahl auf der Tafel auf das Alter des Hauses. Wir sind hier in Göttingen hemmungslos: Wir packen die Gedenktafeln irgendwohin.“

Die Wissenschaftler gaben sich in Göttingen die Klinke in die Hand. An der Stadtbibliothek in der Gotmarstraße hält die Gruppe gleich drei Mal, um mehr über Georg Friedrich Grotefend, Samuel Thomas von Sömmering und August Ludwig von Schlözer zu erfahren. Grotefend entzifferte die babylonische Keilschrift. Er hatte sich auf eine Wette eingelassen, die zu verlieren zu teuer gewesen wäre. Grotefend gewann nicht nur die Wette, er legte auch den Grundstein für die Ent- und Verschlüsselungstechniken, wie sie auch heute noch genutzt werden.

Weniger ruhmreich in der Nachbetrachtung ist das Vermächtnis des Mediziners Sömmering, der eine Hierarchisierung von Menschen nach ihrer Hautfarbe vertrat. Ein paar Straßen weiter, an der Ecke Jüdenstraße kommt Stadtexpertin Keindorf auf Sömmering zurück, als sie Gustaf Kossinna vorstellt. Der begründete 1876 die nationalsozialistische Interpretation der Archäologie. Nicht nur Pioniere und Nobelpreisträger, auch Rassenideologen haben an der Göttinger Wissenschaftsgeschichte mitgeschrieben. Auf dem Albani-Platz wurden 1933 Bücher verbrannt. Auch Heinrich Heines „Harzreise“, die er dort, wo heute die Stadthalle steht, aufschrieb. „Produktion und ideologische Entsorgung liegen manchmal eng beieinander“, kommentiert Keindorf trocken.

Am Wilhelmsplatz angelangt, verlässt Stadtführerin Keindorf thematisch die Nazi-Vergangenheit. Die Göttinger Sieben und die Göttinger Achtzehn sind Beispiele für Wissenschaftler, die sich aus Protest gegen die Obrigkeit wandten. 1833 protestierten sieben Göttinger Professoren gegen die Aufhebung der liberalen Verfassung von Hannover. Die Göttinger Achtzehn wehrten sich 1957 gegen die Idee einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr.

Politik und Zeitgeschichte haben die Universität Göttingen geprägt. Doch bei allen Daten und Fakten entlockt Keindorf ihren Zuhörern auch immer wieder ein Schmunzeln. Zum Beispiel mit dem Einhorn, dass die Universitäts-Apotheke ziert: Das gemahlene Horn, importiert aus Scharzfeld, hatte den Ruf, potenzsteigernd zu wirken.

Von Jorid Engler

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