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Verschollen geglaubte Bernsteine wiederentdeckt

Königsberger Sammlung Verschollen geglaubte Bernsteine wiederentdeckt

Bis 1944 war die Bernsteinsammlung der Universität  Königsberg die weltweit umfangreichste und bedeutendste ihrer Art, rund 100.000 Stücke zählten dazu. 1944 wurden knapp 20.000 der Objekte gerettet und an die Universität Göttingen gebracht, wo sie treuhänderisch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwahrt werden. 400 längst verschollen geglaubte Stücke sind jetzt in den USA aufgespürt worden.

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Bizarr gestaltete Larve eines Schmetterlingshafts aus der Ordnung der Netzflügler (Neuroptera: Ascalaphidae) in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten.

Quelle: r

Göttingen. Bislang vermuteten Wissenschaftler, dass die Teile der Bernsteinsammlung, die nicht nach Göttingen gebracht wurden, im Königsberg verbrannt sind. Jetzt aber hat Dr. Alexandr Gehler, Kustos der Geowissenschaftlichen Sammlung der Uni Göttingen, 400 Stücke ausgespürt - in den USA. Die Steine sind im Juni nach Göttingen gebracht worden.

Diverse Objektträger mit in Konservierungsharz eingegossenen Insekteneinschlüssen in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten.

Diverse Objektträger mit in Konservierungsharz eingegossenen Insekteneinschlüssen in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten.

Quelle: r

"Im Sommer 2016 blieb die Suche nach dem Holotypus, also dem Urstück einer 1910 erstmals beschriebenen Ameisenart zunächst erfolglos", so Gehler. In der Online-Datenbank des Museum of Comparative Zoology der Harvard University stieß er schließlich auf ein artgleiches Tier, das der vor mehr als 100 Jahren publizierten Abbildung des Stückes der Königsberger Sammlung verdächtig ähnlich sah. Bei der weiteren Datenbank-Recherche entdeckte der Göttinger auf einigen Fotos von Bernsteinen mit eingeschlossenen Insekten Inventarnummern der Königsberger Universität. " Etwa 60 Objekte konnten so identifiziert werden – es musste sich um seit Langem verliehenes Material handeln. Leihunterlagen existierten aus der Zeit der Sammlung in Königsberg nicht mehr", so der Wissenschaftler.

In Konservierungsharz eingegossener Einschluss einer Kamelhalsfliege (Raphidioptera) in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten

In Konservierungsharz eingegossener Einschluss einer Kamelhalsfliege (Raphidioptera) in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten

Quelle: r

Dass ein kleiner Teil der Bernsteinsammlung vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bewahrt werden konnte und nach Göttingen gelangte, ist nach Angaben der Universität Göttingen den damals engen, patenschaftlichen Beziehungen beider Hochschulen, insbesondere auf dem Gebiet der Geowissenschaften, zu verdanken. Der damalige Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts in Königsberg, Professor Karl Erich Andrée, veranlasste demnach angesichts der näher rückenden Front im Herbst des Jahres 1944 die Überführung von Teilen der Sammlung nach Göttingen. Im Spätherbst 1944 wurden die bedeutendsten Bestände dieser Sammlung mit anderen wertvollen Kulturgütern Königsberger Sammlungen nach Westen transportiert. Die Reise endete vorerst im ehemaligen Salzbergwerk Volpriehausen in der Nähe der Partneruniversität Göttingen. Im September 1945 zerstörte eine Explosion in der Schachtanlage, die auch als Munitionslager genutzt worden war, wesentliche Teile der dort eingelagerten Bestände der Universitäten Königsberg und Göttingen. Kurz vor der Explosion wurden jedoch zwei Holzkoffer mit den wertvollen Bernsteinen gesichert. Nach Zwischenstationen in Kunstgutlagern der Britischen Besatzungszone gelangte der gerettete Teil der Bernsteinsammlung mit knapp 20.000 Objekten an die Universität Göttingen, wo sie noch heute verwahrt wird. Die Teile der Sammlung, die in Königsberg geblieben waren, verbrannten bei der Zerstörung des Institutsgebäudes.

Zehrwespe (Hymenoptera: Proctotrupidae) in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten

Zehrwespe (Hymenoptera: Proctotrupidae) in Baltischem Bernstein – im Juni 2017 von der Harvard University zurückerhalten

Quelle: r

Nach rund 70 Jahren sind nun weitere Stücke gefunden worden. "Mit großem Einsatz und zeitintensiver Suche, insbesondere von Dr. Ricardo Perez-de la Fuente, konnten die Experten des Museums in den USA knapp 400 Bernsteine identifizieren, die zur Königsberger Sammlung gehören", so Gehler. Dazu zählt auch Originalmaterial zu zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen, darunter allein 45 Typus-Exemplare. Beide Seiten seien sich von Anfang an einig gewesen, dass die wertvollen Objekte in die ursprüngliche Sammlung zurückgebracht werden sollen. Diese Objekte werden nun in Göttingen inventarisiert und wissenschaftlich ausgewertet. Der Leiter des Geowissenschaftlichen Museums, Prof. Joachim Reitner:  „„Einige der teils spektakulären und äußerst raren Stücke werden bald der Öffentlichkeit zugänglich sein."  Nämlich in einer Dauerausstellung zum Thema Bernstein. Die Eröffnung ist für Anfang 2018 geplant.

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