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800 Gänsehaut-Erlebnisse

Musik und Emotionen 800 Gänsehaut-Erlebnisse

Was geschieht, wenn Musik in uns Gefühle auslöst? Dass Musik dies tut, hat jeder erlebt – aber auf welche Weise sie das tut, weiß der Konzertbesucher kaum.

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Glücksgefühle durch Musik: Eckart Altenmüller hat es untersucht.

Quelle: Heller

Der Mediziner und Musiker Prof. Eckart Altenmüller, Leiter des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, hat seine Forschungen zu diesem Thema am ersten Tag des zweitägigen Xlab-Science-Festivals in der vollbesetzten Aula der Universität präsentiert. „Ist Musik die Sprache der Gefühle?“ lautete das Thema sein Festvortrags am Mittwochabend.

Zunächst klärte Altenmüller Gründsätzliches, etwa die Frage: Was ist eigentlich Musik? Die selbstbewusste, wenn auch nichtssagende Antwort des Komponisten Wolfgang Rihm „Musik ist, was ich zu Musik erkläre“ ersetzte Altenmüller durch seine eigene, klare Definition: „Musik sind bewusst gestaltete, zeitlich strukturierte akustische Phänomene.“

Auch das Hören ist ein ausgesprochen komplizierter Vorgang, bei dem akustische Reize in entsprechende Sinnesempfindungen umgewandelt werden, die im Gehirn verarbeitet werden und so in unser Bewusstsein gelangen. Das Gehör, so Altenmüller, „ist einer der anpassungsfähigsten Sinne unseres Körpers“. Schon bei 20-minütigem Klavierüben sei eine Zunahme der neuronalen Konnektivität feststellbar: „Das Gehirn wird durch das Musizieren vernetzt.“

Emotionen, so Altenmüller weiter, begünstigen derartige Verknüpfungen. Und weil Emotionen nicht nur erlebt, sondern auch von körperlichen Reaktionen begleitet werden, eignen sie sich zu wissenschaftlichen Untersuchungen. Dabei haben sich Altenmüller und seine Forscherkollegen auf das Gänsehaut-Erlebnis konzentriert: Jeder kennt Stellen in Musikstücken, die Emotionen so stark erregen, dass sich Gänsehaut einstellt. Dabei werden die Handflächen feucht, Pulsschlag und Atemfrequenz sind beschleunigt: alles also messbare Phänomene.
Mehr als 800 Gänsehaut-Erlebnisse sind an Altenmüllers Institut in Hannover gesammelt und untersucht worden. Diese Erlebnisse treten vorwiegend an Stellen in Musikstücken auf, in denen eine Hörerwartung aufgebaut und „intelligent getäuscht“ wird. Dabei sei im Gehirn eine Dopamin-Ausschüttung nachzuweisen, die Glücksgefühle auslöst.

Dass akustische Reize auch in der Tierwelt Gefühle bewirken, zeigte Altenmüller an verschiedenen Beispielen auf. Sie reichten von Drohrufen männlicher Fledermäuse über den Gesang der Buckelwale – dort werden vor allem Informationen über Fanggründe kommuniziert – bis zu Duetten von Gibbon-Paaren, die deren Gruppenbindung verstärken.

In der Tat ist also Musik eine Sprache der Gefühle. Und auch aus diesem Grund, so ist sich Altenmüller sicher, sei die Musik-Definition des amerikanischen Psychologen Steven Pinker irrig. Pinker hat in seinem Buch „How the mind works“ formuliert, Musik sei wie Käsekuchen: „Schmeckt gut, aber wir brauchen ihn nicht.“

Von Michael Schäfer

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